Von MICHAEL FIEDLER-HEINEN, 05.05.09, 07:09h, aktualisiert 05.05.09, 10:48h
OBERAGGER. Die letzten Jahre im Leben der 2003 verstorbenen Pferdezüchterin Ruth Pack waren eine einzige Katastrophe. Nicht enden wollende Auseinandersetzungen mit dem Kreisveterinäramt und diversen Tierschutzverbänden hatten der einst weltweit erfolgreichen und geachteten Züchterin von Shagya-Araberpferden den Lebensmut genommen. Ein Jahr vor ihrem Tod mussten rund 20 Pferde aus ihrem Gestüt in Oberagger beschlagnahmt und verkauft werden, die fast 70-Jährige war ihren Aufgaben nicht mehr gewachsen.
Kurz vor ihrem Tod hatte sie einen Pachtvertrag mit einem holländischen Musiker abgeschlossen, der das Gestüt pachten sollte, doch dieser Vertrag platzte.
So stand das Gut in Oberagger zum Verkauf, fünf Jahre lang. Die Käuferin, Linda Freidank, wurde eher per Zufall neue Eigentümerin. Seit neun Jahren lebt die staatlich anerkannte Motopädin und Reitlehrerin in Dreisbach und suchte jüngst nach einer Weide für ihre sieben Pferde. Und jetzt gehören ihr in Oberagger rund drei Hektar Weideland, vier Hektar Wald, die große Reithalle nebst Pferdeboxen, das Backhaus, in dem ein Seminarraum eingerichtet werden soll, ein weiteres Nebengebäude und eine große Remise. Alleine das Wohnhaus zur Eckenhagener Straße hin hat sie nicht erworben, „dafür reichte mein Budget nicht“.
Motopädie, das ist eine Art ganzheitlicher Bewegungstherapie, die Körper, Seele und Geist stärken soll. In erster Linie sind es Kinder, die der jungen Therapeutin anvertraut werden, Kinder mit motorischen aber auch seelischen oder Verhaltens-Störungen. „Die Motopädie“, erklärt Linda Freidank, „setzt bei dem an, was jemand kann, baut darauf auf, nicht auf den Defiziten.“ Dabei kann die ausgebildete Erzieherin auf Erfahrung in einem Kölner Brennpunkt-Kindergarten zurückgreifen.
Einige ihrer Zöglinge wurden ihr vom Jugendamt vermittelt, andere über private Kontakte und ihre Homepage. Sie selbst besitzt sieben Pferde, zurzeit steht in Oberagger zudem ein Pensionspferd. Viel mehr sollen es auch nicht werden, „mein Schwerpunkt liegt in der Arbeit mit Menschen“. So will sie die letzten vier Pferdeboxen der Reithalle demnächst umbauen und mit therapeutischen Spielgeräten ausstatten, was allerdings noch mit dem TÜV abgestimmt werden muss.
Vorgestellt wird das Gestüt am 20. Juni mit einem Tag der offenen Tür.
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