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„Essstörungen sind keine Lappalie“

Von KATHRIN HÖHNE, 07.05.09, 07:03h

Zu dick, zu dünn oder gerade richtig? Eine Frage, die in vielen Köpfen junger Mädchen präsent „und immer öfter mit den fatalen Folgen einer Essstörung verbunden ist“,...

BRÜHL. Zu dick, zu dünn oder gerade richtig? Eine Frage, die in vielen Köpfen junger Mädchen präsent „und immer öfter mit den fatalen Folgen einer Essstörung verbunden ist“, so die Heilpädagogin Andrea Frewer von der Beratungsstelle „Lobby für Mädchen“, Mädchenhaus Köln.

Nach einer Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren und Frauen leiden darunter fast ein Viertel der elf- bis 17-jährigen Mädchen in Deutschland - Tendenz steigend. Rund 20 Prozent der Betroffenen sterben. Aber auch Jungen leiden unter Essstörungen. Ein Thema, dass auch Eltern am Brühler Erzbischöflichen St.-Ursula-Gymnasium interessierte, vor allem verbunden mit der Frage, ab wann ein auffälliges Essverhalten als Störung anzusehen ist und wie man damit umgehen soll.

Ein körperliches und

psychisches Risiko

„Essstörungen sind keine Lappalie, sondern eine schwerwiegende Krankheit“, erklärte Frewer am Dienstagabend im Hörsaal der Schule. „Unbewusst wird dabei versucht, innere Konflikte, hoffnungslos erscheinende Schwierigkeiten und Stress zu bewältigen.“ Für die Betroffenen stellten Essstörungen auf lange Sicht ein erhebliches körperliches und psychisches Risiko dar. Bleibende Schädigungen der inneren Organe, Störungen der Herzfunktion, Depressionen bis hin zum Selbstmord seien typische Folgeschäden, die oft bereits nach ein bis zwei Jahren zu beobachten seien.

Zu den Essstörungen zählen latente Esssucht, Magersucht (Anorexia nervosa), Ess-Brecht-Sucht (Bulimia nervosa) und Binge Eating Disorder, bei dem die Heißhungerattacken und Fressanfälle ohne Erbrechen zu starkem Übergewicht (Adipositas) führen können. Es sei wichtig zu verstehen, dass eine Essstörung ein „Symptom“ zur Bewältigung eines tief greifenden Problems darstelle, äußerte die Referentin weiter. Das könne vielerlei Gründe haben. So spielten oft familiäre Bedingungen, psychische Faktoren wie mangelndes Selbstwertgefühl, Pubertät oder gesellschaftliche Faktoren wie der Schlankheitswahn in der westlichen Welt eine Rolle.

Hinweise für eine Essstörung könnten extremes Unter- oder Übergewicht, Gewichtsschwankungen, Nahrungsverweigerung, starke Stimmungsveränderungen, aggressives Verhalten, Konzentrationsschwierigkeiten oder Veränderungen der Schulleistungen sein. Ratsam sei es dann für Eltern oder auch Lehrer, sich als Ansprechpartner anzubieten, sich aber dabei nicht aufzudrängen. Druck oder direkte Fragen wie „Hast du eine Essstörung?“ seien wenig hilfreich, „da diese Problematik meist von tiefen Schamgefühlen begleitet ist“. Sei erst mal der erste sehr schwere Schritt der Einsicht gemacht, dass eine Essstörung vorliege, können Mitarbeiter einer Beratungsstelle, Hausärzte, Psychiater oder Psychologen kompetente Ansprechpartner für eine weitere Hilfe sein.

„Für die Zukunft bleibt es entscheidend, über die Krankheit aufzuklären“, forderte Frewer, um mit Hinweisen auf Hilfsangebote die Isolation der Betroffenen zu durchbrechen und damit das öffentliche Bewusstsein für die Krankheit und die Motivation der Betroffenen, sich durch Fachleute helfen zu lassen, zu fördern. Weitere Informationen gibt es im Mädchenhaus Köln, Fridolinstraße 14, 50823 Köln, Ruf (02 21) 45 35 56 50, Fax 45 35 56 54, E-Mail: maedchenberatung- linksrheini@lobby- fuer-maedchen.de.



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