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250 Familien stehen bei der Tafel Schlange

Von CLAUDIA ROBERZ, 09.05.09, 07:00h

„Es ist doch wirklich schlimm, wenn man als Kind erleben muss, was Armut bedeutet. Wir hoffen sehr, dass gerade die Kinder durch die Tafeln besser am Leben teilnehmen...

ZÜLPICH. „Es ist doch wirklich schlimm, wenn man als Kind erleben muss, was Armut bedeutet. Wir hoffen sehr, dass gerade die Kinder durch die Tafeln besser am Leben teilnehmen können“, eröffnete Peter Eppelt die Mitgliederversammlung der Zülpicher Tafel. Und er machte dies auch anhand nüchterner Zahlen deutlich: Während durchschnittlich für ein Kind 549 Euro im Monat ausgegeben werden, stehen Kindern, die von Sozialhilfe leben müssen, nur 207 Euro pro Monat zur Verfügung.

Und die Bedürftigen bei der Zülpicher Tafel werden immer mehr. Rund 150 bis 200 Familien stehen pro Ausgabetag bei der Zülpicher Tafel Schlange. Während an sechs Tagen die Lebensmittel von den eifrigen Helfern in 18 Geschäften abgeholt werden, wurden sie bisher an zwei Tagen in Zülpich und an zwei weiteren Tagen in Sinzenich an Bedürftige verteilt. Zudem bekommt die Zülpicher Tafel unregelmäßig Waren von der Lebensmittelbank Aachen, Gefriergut von der Jülicher Tafel, Sonderposten aus der Industrie und Überschüsse von Nachbar-Tafeln.

Der Standort Sinzenich wird künftig wegfallen. „Dafür werden wir in Zülpich einen Ausgabetag mehr haben“, erklärte Jürgen Eppelt. „Sowohl für die Kunden wie auch für unsere Helfer bringt das deutliche Vorteile. Letztere können effektiver eingesetzt werden und Spritkosten werden gespart. Außerdem kommen die Waren frischer zu unseren Kunden und es wird weniger weggeworfen.“

Von den 61 Mitgliedern der Zülpicher Tafel helfen 40 beim Lebensmitteltransport und der Ausgabe. Außerdem bekommt die Tafel Hilfe durch zwei bis drei Praktikanten oder Ein-Euro-Jobber. Ganz begeistert zeigte sich Eppelt von der tatkräftigen Unterstützung der Jugend. Da packten Kindergartenkinder beim Ausladen der Fahrzeuge mit an, auch Realschüler unterstützten die Helfer.

Und eine Klasse der Hauptschule übernahm einen Ausgabetag und setzte die Erlebnisse in einem Rollenspiel um. In der Schule wurde das Thema unter dem Gesichtspunkt „Am Rande der Gesellschaft“ ausführlich besprochen.

Die Zülpicher Tafel hat das Glück, auf der Einnahmenseite größere Summen verbuchen zu können als bei den Ausgaben. Hier würden Rücklagen gebildet, denn auch in Zülpich seien immer mehr Menschen auf die Tafel angewiesen, hieß es. Die Spendeneinnahmen haben sich verdoppelt. So hat das St.-Nikolaus-Stift in Füssenich 1000 Euro gespendet. Eine Weight-Watchers-Gruppe hatte ihre Pfunde, die sie in einer bestimmten Zeit verloren hat, in bare Münze umgesetzt und diesen Betrag ebenfalls der Tafel geschenkt. Die Rurtalbahn schließlich lud Tafel-Kunden mit ihren Familien zur Anna-Kirmes ein. Verständnis fehlte den Mitgliedern allerdings, als Horst Preuss berichtete, im Sozialamt seien Beschwerden über die Qualität der Tafel-Waren eingegangen.

Manche Lebensmittel seien nicht genießbar gewesen. Gegen solcher Art Vorwürfe wehrte sich Eppelt vehement: „Gerade die Frischwaren wie Salat, Obst und Gemüse sind von uns handverlesen. Und bei allen anderen Lebensmitteln achten wir genau auf das Haltbarkeitsdatum. Allerdings kann es vorkommen, dass Sachen, die dann bei den Kunden länger liegen, irgendwann nicht mehr genießbar sind.“

Von der Unzufriedenheit mancher Tafel-Kunden wusste auch Iris Schumann zu berichten: „Es ist ja nicht so, dass nur die Letzten, die bei der Ausgabe drankommen und vielleicht das ein oder andere nicht mehr bekommen, weil es einfach weg ist, unzufrieden sind. Leider stellen wir diese Unzufriedenheit auch schon bei den Ersten in der Schlage fest.“

Eppelt appellierte an die Ausgabeteams, mit den Kunden im Gespräch zu bleiben. „Wenn sich jemand ungerecht behandelt fühlt, dann fragt ihn doch, wie er es besser machen würde.“



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