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Antifa-Demo

„Wir wollen euch nicht, wir stellen uns quer“

Von Stefan Rahmann, 10.05.09, 21:30h

Köln - Kölner Demonstranten sind Spätaufsteher. Als OB Fritz Schramma um kurz vor zehn am Samstag auf den Heumarkt trat, verlieren sich dort nur ein paar hundert Leute, die mit Fahnen und Transparenten gegen den so genannten „Anti-Islamisierungskongress“ der rechtsgerichteten „Bürgerbewegung pro Köln“ demonstrieren. Aber nach und nach füllt sich der Platz, und als Schramma 20 Minuten später als angekündigt ans Mikrofon tritt, sind es doch rund 2000 Menschen.

„In unserer Stadt leben Menschen aus 180 Nationen“, erklärt Schramma. „Und unser Ziel ist, dass für alle Mutter Colonia zur Mutterstadt wird. Es war schon im letzten Jahr eine Anmaßung und Dreistigkeit, ausgerechnet hier in Köln auflaufen zu wollen, der Stadt der Toleranz und der Vielfalt. Wir rufen den Rechtsradikalen zu: Wir wollen Euch nicht. Wir stellen uns quer!“ Schramma rügt jede Form von Gewalt: „In unserer Stadt ist weder Platz für rechtsextremistisches Gedankengut noch für autonome Gewalttäter.“

Reinhard Bütikofer, Spitzenkandidat der Grünen bei der Europawahl im Juni, lobt das Engagement der Kölner: „Sie zeigen, dass die Demokraten den Hetzern nicht den öffentlichen Raum überlassen. Glücklich eine Stadt, die solche Bürger hat.“ Demokraten ließen es nicht zu, wenn versucht werde, Menschen die Würde zu nehmen: „Und wenn die Rechten hetzen gegen Schwule, dann sind wir alle Schwule, und wenn sie gegen Juden hetzen, dann sind wir alle Juden, und wenn sie gegen Muslime hetzen, dann verteidigen wir alle die Freiheit des muslimischen Glaubens.“ Demokraten stünden zusammen, wenn es gegen die Feinde der Demokratie gehe. „Aber der Ernstfall ist nicht die Kundgebung, der Ernstfall ist immer der Alltag.“

„Ich habe mich gefragt, warum die Rechten ihre Kongresse immer in Köln abhalten“, ruft der Kabarettist Jürgen Becker und erklärt, der Bildungsgrad dieser „politisch Verwirrten“ lasse meistens zu wünschen übrig. „Die sind so doof. Aber deshalb fühlen die sich hier wohl, in einer Stadt, in der man zu blöd ist, eine U-Bahn zu bauen“, sagt Becker an Schramma gewandt, der neben ihm auf der Bühne steht. Dessen Antwort lässt nicht auf sich warten: „Kann ich gar nicht drüber lachen.“



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