Von Cordula Orphal, 13.05.09, 07:09h, aktualisiert 14.05.09, 10:16h
Die mutmaßliche Täterin, die sich seit der Nacht in Polizeigewahrsam befindet, war schon in der Woche zuvor durch „seltsames Verhalten“ aufgefallen, schildert Wähner. Die 16-Jährige hatte offenbar gegenüber Mitschülern geäußert, dass sie sich umbringen wolle. Die Schule zog einen Experten der Bezirksregierung hinzu, wie es der Notfallplan vorsieht. Dieser habe festgestellt, dass von der Gymnasiastin „keine Fremdgefährdung“ ausgehe. Das hätten auch Gespräche mit den „Bezugspersonen des Mädchens“ ergeben.
Die Zehntklässlerin wurde für Montag zu einem Gespräch mit Schulpsychologen einbestellt - und erschien dort nicht. Stattdessen füllte sie ihren Rucksack mit Molotow-Cocktails, bewaffnete sich mit einem Messer und griff eine Mitschülerin an, die sie zufällig auf der Toilette überraschte, als sie offenbar einen Anschlag vorbereitete. Sie schnitt der 17-Jährigen bei der Auseinandersetzung einen Daumen ab und flüchtete. Das Mädchen sei operiert worden, und es gehe ihr gut, sagt die Schulministerin: „Ich bin sehr erleichtert.“
Hatten die Experten die Lage falsch eingeschätzt? Hätte man anders reagiert, wenn ein Junge sich „seltsam“ verhalten hätte? Mit „hätte“ komme man nicht weiter, erwidert Schulleiterin Wähner auf die Fragen der Journalisten. Ministerin Sommer sagt allerdings mit Verweis auf die Zahlen: „Wir hatten die Mädchen bisher nicht im Blick.“
Wie kam es dazu, dass offenbar mit der Realschule nebenan die falsche Schule evakuiert wurde, während die Gymnasiasten in ihren verschlossenen Klassenzimmern ausharrten und unklar war, wohin die 16-Jährige geflüchtet war? Die Antwort: „Dazu können wir nichts sagen. Die Ermittlungen laufen.“ Ebenso gibt es keine Auskünfte zur Motivation des Mädchens, das sich häufiger in einem leer stehenden Gebäude aufgehalten haben soll, wo sich Obdachlose trafen. Nur soviel: „Sie war an sich eine gute Schülerin“, sagt die Schulleiterin.
Als ruhig und unauffällig wird die Familie von den Menschen aus Mülldorf beschrieben. Es soll sich um Aussiedler handeln, die vor etwa zehn Jahren nach Sankt Augustin kamen, höchstwahrscheinlich aus Kasachstan. Die siebenköpfige Familie (die Eheleute haben zwei Mädchen und drei Jungen) bewohnt eine gepflegt wirkende Doppelhaushälfte, die Eheleute führen ein Geschäft. Die mutmaßliche Täterin ist das älteste Kind der Familie, wird ebenso wie die übrigen Familienmitglieder auch vom Nachbar Otto Bodeweg (71) als sehr freundlich beschrieben, ist in der Öffentlichkeit aber, etwa bei Festen im Ort, so gut wie noch nie in Erscheinung getreten.
Dass zunächst die Schüler, aufgeschreckt durch einen Feueralarm, auf die Flure liefen, sei auf eine Koppelung des Alarms mit dem Lautsprecher zurückzuführen, so die Schulleiterin Wähner. Unmittelbar nach der Sirene sei aber die Durchsage gekommen, so dass sich alle in der Klassen verbarrikadierten, schildert Schülersprecher Christian von den Driesch (18).
Viele Schülerinnen und Schüler treten trotz allem - freiwillig - bei der zentralen Abschlussprüfung in Deutsch für die Jahrgangsstufe zehn an. Auch die Klassenkameraden der mutmaßlichen Täterin. Lokales Seite 32
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Rundschau zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige
22. April 2012,
E-Werk Köln
Kfm. Umschulungen + Seminare in Köln
Holzspielzeug gesucht, gefunden, geliebt