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Kommentar zu Spätabtreibungen

Fortschritt

Von Norbert Wallet, 13.05.09, 20:05h, aktualisiert 13.05.09, 22:21h

Es geht nicht um Strafe, sondern um Hilfe. Mit dem Kompromiss zum Thema Spätabtreibungen hat der Bundestag eine peinliche Gesetzeslücke geschlossen. Ein Fortschritt. In der Frühphase der Schwangerschaft soll ungeborenes Leben durch ein Netz an Beratungsangeboten geschützt werden.

Für mögliche Abtreibungen in späteren Phasen der Schwangerschaft, nach einer medizinischen Indikation, war kein vergleichbares Beratungskonzept vorgeschrieben. Es gibt jährlich rund 200 registrierte Abbrüche in oder nach der 23. Schwangerschaftswoche. Das ist rechtlich möglich bei Lebensgefahr der Mutter oder zu erwartender schwerer seelischer oder körperlicher Beeinträchtigung des Gesundheitszustandes der Mutter.

Eine nun vorgeschriebene Pflicht zu eingehender Beratung kann im gelungenen Fall den Sinn dafür wecken, dass das Leben mit behinderten Kindern bereichernd und erfüllend sein kann, dass es so viele frohe, glückliche und Freude ausstrahlende behinderte Kinder gibt, und dass es auch wichtige Hilfen für Eltern mit behinderten Kindern gibt.

Die Reform muss freilich auch den Sinn dafür wecken, dass viel zu viele pränatale Untersuchungen durchgeführt werden, die Eltern unnötig unter psychischen Druck setzen. Und zur Wahrheit gehört, dass sich längst eine unheilvolle Automatik eingeschliffen hat, die werdenden Eltern von behinderten Kindern der belastenden Erwartung aussetzt, selbstverständlich abzutreiben.



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