Erstellt 16.06.09, 22:25h
Herr Seibert, in der ZDF-Show „Ich kann Kanzler!“ machen junge Kandidaten vor einer Jury einen auf Politiker. Was soll das Ganze?
Ganz einfach: Es geht darum, junge Menschen zu finden, die sich für Politik begeistern und dadurch auch andere für politisches oder gesellschaftliches Engagement begeistern können, denn davon haben wir alle etwas. Natürlich hat das alles auch einen Unterhaltungsaspekt, aber eben nicht nur. Wir suchen jemanden, der andere mitreißen kann, der das kann, was man als Politiker können muss.
Klingt nach „Deutschland sucht den Superstar“ für Intellektuelle.
Hört sich plausibel an, aber ich sehe ehrlich gesagt nahezu keine Übereinstimmung. Außer vielleicht der, dass aus einer großen Zahl von Kandidaten einer übrig bleibt, der gewinnt. Das Strukturprinzip ist zugegeben das Gleiche, alles andere aber unterscheidet sich. Es geht vor allem nicht darum, irgendwelche Leute platt zu machen, es geht auch nicht darum, Kandidaten hochzujubeln und ihnen Versprechungen zu machen, die dann nicht eingehalten werden, wie das bei „Deutschland sucht den Superstar“ der Fall ist. Die Sendung heißt zwar „Ich kann Kanzler!“, aber wir versprechen dem Sieger oder der Siegerin natürlich nicht, dass das dann auch irgendwann was wird mit der Kanzlerschaft (lacht).
Fast 2600 Kandidaten zwischen 18 und 35 Jahren haben sich beworben, die 40 besten sind im Fernsehen zu sehen. Was sind das für Leute?
Die allermeisten, die sich beworben haben, sind in irgendeiner Form gesellschaftlich oder politisch aktiv, aber nicht parteiaktiv. Das sind Menschen, die bei Umweltprojekten mitmachen, bei Integrationsprojekten und was weiß ich nicht alles. Wir haben zwar Leute nicht ausgeschlossen, die auch schon in jungen Jahren in Parteien mitarbeiten, aber es ging uns natürlich nicht darum, dem Deutschland-Vorsitzenden der Jungen Union oder der Jusos ein Forum zu bieten.
Haben denn bei der Vorauswahl alle eine gute Figur abgegeben?
Ich habe natürlich nicht alle gesehen, aber die besten 40 und vor allem die übrig gebliebenen sechs Kandidaten, die ins Finale kommen, habe ich mehr sehr genau angeschaut, und ich muss sagen: Ich bin beeindruckt, da war wirklich niemand dabei, der keine gute Figur abgegeben hätte. Es gab welche, die waren einfach besser als andere, aber ich muss bei diesen Kandidaten sagen: Hut ab vor ihrer Leistung, denn manche wurden schon im Auswahlverfahren von der Jury ganz schön gegrillt und sind trotzdem cool geblieben.
Was müssen die Kandidaten vor der Kamera bringen?
Sie müssen in verschiedenen Eigenschaften nachweisen, von denen wir glauben, dass sie wichtig für einen Politiker sind. Sie sollen schlüssig argumentieren, begeisternd überzeugen, clever improvisieren. Die werden sich in der Sendung einem harten Interview stellen müssen, das wohl von Marietta Slomka geführt wird, vor der auch gestandene Politiker zittern, wenn sie ein Schaltgespräch mit ihr im „heute-journal“ haben. Und sie müssen natürlich auch eine gute politische Idee vertreten.
Ist die Idee wichtig oder doch mehr die Kameratauglichkeit?
Ich glaube, diese Sendung kann man nur gewinnen, wenn das eine mit dem anderen Hand in Hand geht. Wir machen Fernsehen, und es ist natürlich nicht gerade optimal, wenn ein Kandidat erschrickt, wenn die Kamera angeht und anfängt zu schwitzen und zu stottern. In der Beziehung muss man sich jedoch bei keinem der Kandidaten Sorgen machen - die junge Generation ist nach meinem Eindruck im Umgang mit Medien ungeheuer abgebrüht.
Aber um Inhalte geht es schon auch, oder?
Natürlich, jeder Kandidat bringt eine politische Idee mit. Da gibt es Ideen, die sind handfester, andere sind versponnener, aber das muss kein Nachteil sein, weil wir ja vielleicht heute schon versponnene Ideen für übermorgen brauchen. Manche Konzepte sind schon sehr detailliert durchdacht, andere weniger praxisnah, aber eine Idee haben sie alle.
Welcher Kandidat hat Sie bislang am meisten beeindruckt?
Mir hat ein Kandidat am besten gefallen, der es nicht unter die letzten sechs geschafft hat und dessen Idee vom bedingungslosen Grundeinkommen ich für völlig falsch halte. Aber der junge Mann hat das so überzeugend rübergebracht und mit so viel Herzblut verteidigt, dass mich das schwer beeindruckt hat. Ich hätte ihn ins Finale gewählt.
Glauben Sie, dass die besten Kandidaten Ihrer Show irgendwann einmal politisch Karriere machen werden?
Der ein oder andere sicher, da waren einige dabei, die Anlass zur Hoffnung geben - vielleicht schon bald, man kann ja nie wissen.
Aber ein kleiner Obama war nicht darunter, oder?
Davon träumt man ja immer (lacht). Es ist einer dabei, der zumindest aussieht wie ein kleiner Obama. Mal sehen, wie der sich in Zukunft so macht.
Ich kann Kanzler, ZDF, morgen (21 Uhr) und übermorgen (21.15 Uhr).
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