Von Anneke Schaefer, 21.06.09, 22:09h, aktualisiert 24.06.09, 10:40h
Fast drei Jahre ist es nun her, dass Hartmut Valentins Frau Heidrun gestorben ist, offenbar an den Folgen von MRSA, an Keimen, die gegen die meisten Antibiotika resistent sind. Bis heute kämpft der 68-Jährige vor Gericht um Entschädigung. Denn, so ist er sich sicher, seine Frau hat sich im Krankenhaus angesteckt.
Tausende sterben durch MRSA
Fünf Prozent aller Patienten erleiden eine Infektion durch Krankenhauskeime - pro Jahr sterben laut Deutscher Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) 40 000 Menschen daran. Bei bis zu 8000 Fällen davon handelt es sich um multiresistente Erreger, die zu Wundinfektionen, Lungenentzündungen, Blutvergiftungen und zum Tod führen können. Auch bei Heidrun Valentin wurde eine Sepsis als Todesursache eingetragen, MRSA muss auf dem Totenschein nicht vermerkt werden.
Die resistenten Keime haben sich in den letzten 20 Jahren stetig ausgebreitet. In Deutschland sind im Schnitt bis zu ein Viertel der Krankenhauskeime gegen Antibiotika resistent, wobei die Situation von Haus zu Haus sehr unterschiedlich sein kann. Dabei galten Antibiotika seit ihrer Entdeckung als wahre Wunderwaffen. Mit Penicillin war es seit den Nachkriegsjahren möglich, schädliche Bakterien im Körper eines Menschen abzutöten und ihn so zu heilen.
Doch nun warnt die Bundesregierung davor, dass Antibiotika oft unnötig oder nicht gezielt genug eingesetzt werden, etwa bei Erkältungskrankheiten oder Durchfall. Dies fördert die Bildung von Resistenzen und macht Antibiotika zunehmend unwirksam. Gegen solch falschen Einsatz will die Regierung mit einem Strategiepapier vorgehen. Laut DGKH wirkt dies aber nicht schnell genug (siehe Interview).
Auch Professor Alexander Friedrich von der Universitätsklinik Münster weiß aus seiner Zusammenarbeit mit den Niederlanden, die MRSA seit über 20 Jahren erfolgreich bekämpfen, dass es ein langer Weg ist hin zu MRSA-freien Krankenhäusern. Wenn MRSA konsequent aufgespürt und eliminiert wird, dauert es bis zu zwölf Jahre, bis weniger als ein Prozent der Keime resistent sind. Zunächst steigen die Fallzahlen aber an, da verstärkt getestet wird. Genau dieser Aspekt verhindere oft, dass Kliniken sich des Problems ernsthaft annehmen.
Das Robert-Koch-Institut empfiehlt neben gründlichster Desinfektion einen wenige Euro teuren Abstrich-Test bei Risikopatienten vor der Aufnahme ins Krankenhaus und gegebenenfalls eine strikte Isolation. Als Risiko-Patienten gelten unter anderem alle Menschen, die in den vergangenen zwölf Monaten mindestens drei Tage lang im Krankenhaus waren, oder die aus Regionen oder Einrichtungen mit hohen MRSA-Zahlen verlegt werden. Dieser Punkt ist allerdings problematisch, da solche Zahlen nicht veröffentlicht werden. Selbst innerhalb einer Stadt dürfen sich Krankenhäuser aus Datenschutzgründen nicht darüber austauschen, welche Patienten MRSA-Träger sind, erklärt Hans-Martin Wenchel, Hygieniker der Uniklinik Köln. Ab 1. Juli müssen zumindest alle MRSA-Nachweise aus Blutkulturen und Hirnflüssigkeit bei den Gesundheitsämtern gemeldet werden. Diese können dann Häufungen feststellen und tätig werden.
Laut einer Studie des Landesinstituts für Gesundheit und Arbeit erfüllen nur 57 Prozent der Kliniken die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts. Deshalb forderte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann die Kliniken per Erlass auf, die Richtlinien einzuhalten. Auch Pflegeheime, medizinische Dienste und Krankentransporte sind nicht immer auf den richtigen Umgang mit MRSA vorbereitet und tragen zur Verbreitung der Keime bei.
Hartmut Valentin hörte von MRSA erstmals, als seine Frau schon schwer krank war. Nach Monaten sagten die Ärzte ihm, ihr Bein müsse abgenommen werden. Valentin holte seinen Sohn, er sollte seiner Mutter die schlimme Nachricht überbringen. Doch als die beiden zurück ins Krankenhaus kamen, war sie schon verstorben.
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22. April 2012,
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