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Interview

„Es gibt keine gesetzliche Kontrolle“

Erstellt 21.06.09, 22:09h

Dr. Klaus-Dieter Zastrow ist Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene. Mit ihm sprach Anneke Schaefer über die Probleme in deutschen Krankenhäusern.
Seit Jahren steigen die Zahlen resistenter Keime in Krankenhäusern. Warum ist es so schwer, das Problem in den Griff zu bekommen? Eigentlich ist das gar nicht so schwer. Man muss es nur richtig machen. So wie in Holland oder Dänemark: Dort hat man die Zahlen von bis zu 18 Prozent auf unter ein Prozent Anteil resistenter Keime gedrückt. Man muss sich eben an Regeln halten, die ja auch bekannt sind. Aber sie werden hier nicht umgesetzt.

Was läuft in Deutschland falsch?

Wir haben zwar eine Richtlinie des Robert-Koch-Instituts, die das richtige Handeln vorgibt. Aber es kümmert sich niemand darum, dass diese auch umgesetzt wird. Die Politik macht den großen Fehler, dass sie zum Beispiel keine Ärzte für Hygiene in den Krankenhäusern vorschreibt, die diese Richtlinie anwenden können. Und auch die Gesundheitsämter kontrollieren das nicht. Die wären auch überfordert. Es gibt einfach keine gesetzliche Kontrolle.

Und wie wird das etwa in Holland geschafft?

Dort werden die Patienten isoliert und saniert. Wenn jemand einen multiresistenten Erreger hat, kommt er so lange in ein Einzelzimmer und wird abgeschottet, bis er den Keim wieder los ist.

Das wird in Deutschland nicht gemacht?

Hin und wieder schon, aber eben nicht flächendeckend. Das ist der entscheidende Punkt: Wenn es von 2000 Krankenhäusern 600 machen - wenn überhaupt - und die anderen 1400 lassen es einfach laufen, dann ist das eine Sisyphusarbeit. Die einen isolieren, und die anderen stecken zugleich wieder neu an.

Aber für NRW gibt es zum Beispiel jetzt einen Erlass zum Einhalten der Richtlinie. . .

Das ist gut, es ist eine Willenserklärung. Aber es muss auch richtig durchgesetzt und kontrolliert werden.

Wie beurteilen Sie denn die Initiative der Bundesregierung gegen Antibiotika-Resistenzen?

Das Papier ist meiner Meinung nach völlig unbrauchbar. Auf über 150 Seiten wird etwa über eine bessere Ausbildung von Krankenschwestern und anderen medizinischen Berufen gesprochen. Wenn das jemals wirkt, dann vielleicht in dreißig Jahren. Es wird nicht eine einzige Sofortmaßnahme vorgeschlagen. Ein reines Alibipapier.

Was wird in den Kliniken den im Einzelfall falsch gemacht?

Häufig kommt die Händedesinfektion zu kurz oder zum falschen Zeitpunkt, der Mund-Nasenschutz wird nicht getragen, aber weil keine Ärzte für Hygiene vorhanden sind, fehlt auch das Verständnis für Hygiene. Die Mindesteinwirkzeit bei der Händedesinfektion ist 30 Sekunden. Das weiß das Personal oft gar nicht.

Sollten Patienten Ärzte darauf ansprechen?

Da halte ich überhaupt nichts von. Das traut sich ein Patient auch gar nicht. Und der Arzt wird sagen: Das mache ich doch sowieso.



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