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Stadtarchiv

Aus den Trümmern lernen

Erstellt 24.06.09, 20:43h, aktualisiert 24.06.09, 20:44h

Ministerpräsident Jürgen Rüttgers eröffnet am Mittwoch die Expertentagung zum Kölner Stadt-Archiv. Er stellte sofort klar, dass auch „das Land um seine Verantwortung wisse“. Nun soll in Köln Europas modernstes Kommunalarchiv entstehen.

Jürgen Rüttgers
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Ministerpräsident Jürgen Rüttgers besuchte im März den Unglücksort des Stadtarchivs in Köln. (Bild: dpa)
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Ministerpräsident Jürgen Rüttgers besuchte im März den Unglücksort des Stadtarchivs in Köln. (Bild: dpa)
KÖLN - Die erschütternden Bilder vom Einsturz des Kölner Stadtarchivs am 3. März diesen Jahres sind um die Welt gegangen. „Was dort geschehen ist, war eine Katastrophe“, sagte gestern Ministerpräsident Jürgen Rüttgers zur Eröffnung einer Expertentagung im Wallraf-Richartz-Museum, die sich mit dem Unglück und seinen Folgen befasst.

Die „Wirkungskette“, die zum Tod zweier Menschen führte, sei zwar noch nicht geklärt, man könne aber davon ausgehen, dass beim U-Bahn-Bau „etwas gewaltig schief gelaufen“ sei. „Die Bauaufsicht muss auf den Prüfstand“, so Rüttgers. „Wir wollen das kulturelle Gedächtnis unseres Landes bewahren“, versicherte der Ministerpräsident den über 150 Teilnehmern der Tagung und verwies auf die Landesinitiative „Substanzerhalt von Kulturgütern“, die in diesem Jahr 3,2 Millionen Euro bereitstellt. „Das Land weiß um seine Verantwortung“, stellte Rüttgers klar.

„Aus den Trümmern soll etwas Wegweisendes entstehen“, betonte Oberbürgermeister Fritz Schramma, „wir wollen die Katastrophe als Chance nutzen“. In Köln solle „Europas modernstes und sicherstes Kommunalarchiv entstehen“. Der Standort eines Archivneubaus wird heute im Kulturausschuss diskutiert. „Die Expertenanhörung soll uns ein gutes Stück vorantreiben“, so Schramma. Kulturdezernent Georg Quander rief den Teilnehmern anhand von Fotos noch einmal das ganze Ausmaß des Unglücks in Erinnerung. Schutt, Stahl, Eisen und Archivgut hatten sich in dem 30 Meter tiefen Erdkrater miteinander vermengt. „Inzwischen ist alles oberhalb des Grundwassers gesichert.“

Mittelfristig wird an der Einrichtung eines provisorischen Archivs gearbeitet, wie Archiv-Leiterin Bettina Schmidt-Czaia mitteilte. Die Neubauplanung soll mit der Weiterentwicklung zu einem Bürgerarchiv einhergehen.

Weltweit die richtigen Schlüsse ziehen“

Die Expertenrunde befasste sich vor allem damit, wie Archivgebäude in Zukunft sicherer gemacht und Archivgüter besser geschützt werden können. „Aus dem Unglück von Köln müssen Archive in aller Welt Lehren ziehen“, mahnte David Leitch, Generalsekretär des Internationalen Archivrats. Zumindest die wichtigsten Dokumente müssten digitalisiert und an einem anderen Ort aufbewahrt werden. Der Präsident des Bundesarchivs, Hartmut Weber, forderte die Erstellung eines individuelles Risikoprofils für jedes Archiv. „Das muss in Abstimmung mit den zuständigen Baubehörden entwickelt und ständig fortgeschrieben werden.“ Risiken und Notfallpläne müssten so exakt wie möglich definiert werden. Zwar könnten auch so nicht jegliche Unglücke endgültig ausgeschlossen werden, aber es sei wichtig, für den Fall der Fälle vorbereitet zu sein.

Eine solche Risikoanalyse hat das britische Nationalarchiv in London erarbeitet: Sie listet nach Angaben von Restauratorin Anna Bülow rund 300 potenzielle Gefahren auf - darunter die Möglichkeit, dass ein Flugzeug auf das Gebäude stürzen könnte.

Noch mehr Sorgen als plötzliche Unglücke machen den Experten aber Probleme, mit denen die Archive täglich zu kämpfen haben - Papierzerfall, knappe Mittel, falsche Lagerung und ein im Normalfall eher geringes öffentliches Interesse. (sty / dpa)<



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