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Wirtschaftskrise

Eine neue Insolvenzwelle rollt heran

Von Hermann Steveker, 25.06.09, 19:49h

Die weltweite Wirtschaftskrise hat ihre Opfer gefordert: etablierte Unternehmen wie Märklin, Arcandor und Rosenthal mussten Insolvenz anmelden. Doch laut Experten ist das Schlimmste ist noch nicht vorbei.

Insolvenzen
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Im zweiten Halbjahr 2009 sollen noch mehr Insolvenzen angemeldet werden. (Foto: dpa)
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Im zweiten Halbjahr 2009 sollen noch mehr Insolvenzen angemeldet werden. (Foto: dpa)
DÜSSELDORF – Arcandor, Märklin, Schiesser, Rosenthal oder Karmann - manches Unternehmen mit klangvollem Namen ist in diesem Jahr schon in die Insolvenz geschlittert. Das Schicksal dieser Prominenz gibt auch einen Hinweis darauf, wie sehr die aktuelle Wirtschaftslage die Firmen in der Breite trifft. Die Krise ziehe immer mehr Unternehmen „den Boden unter den Füßen weg“, konstatiert Helmut Rödl, Chef der Neusser Wirtschaftsauskunftei Creditreform, welche seit Jahren Buch führt über die Pleiten-Entwicklung in Deutschland. Finanzierungs- und Liquiditätsengpässe gepaart mit einer sehr schlechten Auftragslage setzten den Unternehmen mächtig zu, sagt Rödl.

Die Zahlen belegen dies deutlich: Im ersten Halbjahr 2009 mussten 16 650 Firmen den Gang zum Insolvenzrichter antreten - 14 Prozent mehr als vor einem Jahr. Das ist der schlechteste Wert seit 2005, den negativen Rekord hält bislang das Jahr 2004 mit 19 930 Pleitefällen in einem ersten Halbjahr. Insgesamt seien von Januar bis Juni 2009 mehr als eine Viertel Million Beschäftigte von der Insolvenz ihres Arbeitgebers betroffen gewesen, ermittelte Creditreform. Das bedeutet im Vergleich zum Vorjahr einen steilen Anstieg um mehr als 50 Prozent. Folglich rutschten immer mehr umsatzstarke Unternehmen in eine Pleite: „Große Firmeninsolvenzen gibt es in diesem Jahr wie in keinem anderen“, stellt Rödl fest. Dennoch setzt nach wie vor die Mehrheit (61,5 Prozent) der betroffenen Unternehmen weniger als 500 000 Euro um.

Besonders hart erwischt die Wirtschaftskrise dabei das exportorientierte, verarbeitende Gewerbe. Im Industriesektor ermittelte Creditreform ein Drittel mehr Pleiten. Am stärksten leiden die Autozulieferer - 40 der rund 1000 Branchenvertreter in Deutschland mussten im ersten Halbjahr den Gang zum Insolvenzrichter antreten. Relativ glimpflich kam dagegen die Bauindustrie davon, hier brachen „nur“ 7,6 Prozent mehr Firmen zusammen. Insgesamt ist ein Drittel der Pleitefirmen jünger als vier Jahre, ein weiteres Drittel älter als zehn Jahre. Die Schäden und Verluste durch Firmeninsolvenzen bezifferte Creditreform mit 20,8 Milliarden Euro. Das ist etwa ein Viertel mehr als vor einem Jahr.

Besserung ist für das zweite Halbjahr nicht in Sicht. Im Gegenteil: Für 2009 rechnet Creditreform mit einem Anstieg der Insolvenzzahl um 18 Prozent auf rund 35 000. Damit sind im Gesamtjahr laut Prognose 540 000 Menschen vom wirtschaftlichen Zusammenbruch des Arbeitgebers betroffen. Und auch für das Jahr 2010 kann Creditreform keine Entwarnung geben - die Experten rechnen hier mit nochmal zehn Prozent mehr Firmenpleiten.

Damit beweist sich einmal mehr, dass ein Anstieg der Insolvenzzahl einer Abschwächung der Konjunktur in aller Regel mit einer Verzögerung von wenigen Monaten folgt. Denn für das laufende Jahr erwarten die meisten Fachleute vor allem wegen des schlechten ersten Halbjahres einen Konjunktureinbruch von rund sechs Prozent, im kommenden Jahr soll die Wirtschaft den meisten Prognosen zufolge stagnieren.



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