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Michael Jackson

Vom Kinderstar zum King of Pop

Von Bernd Schuknecht, 26.06.09, 19:46h, aktualisiert 30.06.09, 23:21h

Mit Talent gesegnet, vom Vater gehetzt: Michael Jackson musste für seinen Titel "King of Pop" einen hohen Preis zahlen. Sein Abstieg vom Star zum degenerierten Chirurgen-Experiment war eine logische Konsequenz. Ein Nachruf.

Jacko 1997
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Michael Jackson bei einem Auftritt seiner "History"-Tour im Jahr 1997. (Bild: dpa)
Jacko 1997
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Michael Jackson bei einem Auftritt seiner "History"-Tour im Jahr 1997. (Bild: dpa)
Michael Jackson war - zu seinen besseren Zeiten - unbestritten der King of Pop. Als König war er ein begnadeter Sänger, Songwriter, Tänzer und Performer, der gerade versuchte, seiner Monarchie ein Comeback zu bereiten. Ob dies gelungen wäre, bleibt indes pure Spekulation.

Michael Jackson, der am 29. August 1958 in Gary (Indiana) geboren wurde, erhielt - wie seine acht Geschwister - eine intensive musikalische Förderung. Der Ehrgeiz von Vater Joseph, der unerbittlich seine Kinderstars von einem Talentwettbewerb zum anderen hetzte, war berüchtigt.

Erste Auftritte mit der Familienband

Nachdem Michael Jackson Ende der sechziger Jahre mit der Familienband(e) Jackson Five unter der Regie von Soul-Produzent Norman Whitfield erste Erfolge verbuchen konnte, wagte er 1971 als 13-Jähriger erste Solo-Schritte. „Got to be there“ war der Titel seiner ersten Single (Platz 4 der US-Charts) und auch mit „Rockin Robin“ (Platz 2 der US-Charts) piepste sich der süße Wuschelkopf Michael in vorderste Chart-Platzierungen. Allerdings lief zu dieser Zeit seine Arbeit mit den Jackson Five noch parallel weiter.

Kurioserweise war es eine Filmrolle, die eine maßgebliche Weichenstellung in Jacksons weiterer musikalischer Karriere bewirkte. In „The Wiz - Das zauberhafte Land“, einer Musicalfassung von „Der Zauberer von Oz“, musste Jackson eine Vogelscheuche mimen. Auch wenn er sein schauspielerisches Talent in dieser Rolle wohl noch nicht voll ausreizen musste, so traf er bei dieser Produktion auf Produzenten-Ikone Quincy Jones. Mit Jones nahm er 1979 sein bahnbrechendes Album „Off the Wall“ auf. Darin verabschiedet Jackson sich stilistisch vom klassischen RhythmnBlues, um fortan mit Disco-Pop tänzelnd und seinem berühmten „Moon Walk“ die Dancefloors weltweit zu erobern. Bei „Don't stop 'til you get enough“ schraubt er seine Stimme in ähnlich schwindelnde Falsett-Höhen wie Bee Gee Barry Gibb.

Von „Off the Wall“ konnte Jackson 20 Millionen Exemplare absetzen - für jene Zeit eine respektable Größenordnung. Eine Zahl, die sich allerdings gegen den Nachfolger „Thriller“ von 1982 als geradezu bescheiden ausnimmt. Mit rund 108 Millionen Tonträgern gilt „Thriller“, das 1983 monatelang alle Charts weltweit anführte, als meist verkauftes Album aller Zeiten. Sieben ausgekoppelte Singles - darunter der Titelsong „Thriller“, „Billie Jean“, „The Girl is mine“ und „Beat it“ - schafften ebenfalls weltweit vorderste Chart-Platzierungen.

Brillantes Video steigerte die Popularität

Kult-Regisseur John Landis sorgte mit bis dahin nie gesehenen Spezial-Effekten zudem für ein brillantes „Thriller“-Video, mit dem über das damals noch junge MTV die Popularität zusätzlich gesteigert werden konnte. Die Videos, die längst vom harmlosen Musikfilmchen zu einer eigenständigen, aber auch immens teuren Kunstform mutiert waren, bildeten eine vollkommen neue Dimension in der Wahrnehmung von Popmusik und ihrer spezifischen Ästhetik.

So führte beim „Bad“-Video, in dem auch der junge Wesley Snipes mitspielte, kein Geringerer als Martin Scorsese Regie. Weitere Stars wie Macauley Culkin und Tyra Banks im fünf Millionen Dollar teuren „Black or White“-Video, Eddie Murphy, Magic Johnson, Naomi Campbell, Marlon Brando, Michael Jordan und Guns N Roses-Gitarrist Slash standen auf der Darstellerliste von Jackson-Clips. Mit den Alben „Bad“ und „Dangerous“, das sich erstmals des HipHop-Stils bediente, blieb der Megastar auch Anfang der 90er Jahre auf Erfolgskurs und trat in allen großen Stadien auf.

Persönliche Krisen Mitte der 90er Jahre schlugen sich dann aber musikalisch im enttäuschenden „HiStory - Past - Present - Future Book I" nieder. Während der „HiStory World Tour" 1997, bei der Jackson auch im Kölner Stadion auftrat, erlebten die Fans eine Show, in der sich der Megastar förmlich hinter einer starr einstudierten Szenen-Abfolge versteckte, die kaum mehr bot als eine Aneinanderreihung bereits bekannter Video-Clips. Zudem kam der Gesang zum großen Teil über Playback.

Sukzessive wurde es musikalisch um Michael Jackson ruhiger. 2002 wurde er noch bei den American Music Awards zum Künstler des Jahrtausends gewählt. Man darf aber davon ausgehen, dass sich die Ehrung auf seine musikalischen Leistungen im vorigen Jahrtausend bezog.

Nun ist der King tot, aber der Ausruf „Es lebe der König“, der die Hoffnung der Untertanen auf einen Nachfolger formuliert, wird ausbleiben. Einen König wie Michael Jackson, einen kreativen Innovator und zugleich Globalisierer, der die ganze Welt in ein popmusikalisches Dorf verwandelt hat, wird es vermutlich kaum mehr geben. Um so mehr wird Michael Jackson in Erinnerung bleiben.



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