Von Sabine Ludwig, 03.07.09, 17:55h
Umzug von Engelskirchen aus
Angefangen hat alles 1979, als der damals 48-jährige Bert Ommer zusammen mit vier Familienmitgliedern und einem weiteren Mitarbeiter einen kleinen Betrieb in Osberghausen gründete. Von da an ging es mit der Firma schnell bergauf. 1980 waren schon 16 Mitarbeiter bei Ommer beschäftigt, Mitte der 80er Jahre waren dann die Möglichkeiten in Engelskirchen erschöpft. Als sich im damals neuen Industriegebiet Lindlar die Chance ergab, Grund zu erwerben, schlug Bert Ommer zu. 1988 zog die Firma, damals schon mit fast 70 Mitarbeitern, endgültig um.
Heute werden 105 Mitarbeiter beschäftigt - und die sollen trotz Wirtschaftskrise auch bleiben. „Unser größter Kunde hat einen Umsatzanteil von gerade einmal sechs Prozent“, berichtet Herbert Pjede als Geschäftsführer des Lindlarer Unternehmens. „Uns hilft, dass wir sind sehr breit aufgestellt sind.“
Trotz Krise und zurückhaltendem Einzelhandel investiert das Unternehmen sogar: Noch im Juni geht eine 1,4 Millionen teure Extrusionsanlage in Betrieb, die aus Granulat Folie macht, und 2010 steht eine neue Zehn-Farben-Druckmaschine auf dem Investitionsplan, die rund zweieinhalb Millionen Euro kostet. Neue gesetzliche Bestimmungen machen zudem einen Umbau notwendig, der mit rund 200 000 Euro zu Buche schlägt.
Während Ommer für dreieinhalbtausend Kunden produziert, kümmert sich eine polnische Tochterfirma um den osteuropäischen Markt. Dabei ist die Konkurrenz hart: Während es in Deutschland vier bis fünf andere Anbieter gibt, stehen vor allem in Asien Konkurrenten mit Dumping-Angeboten parat. „Und da können und wollen wir nicht mithalten“, sagt Pjede.
Und so setzt die Lindlarer Firma auf Qualität. In einem ausgeklügelten Verfahren stellt man die Plastiktüte her - egal in welcher Form und Farbe, ob mit eingestanztem Henkel, aufgesetztem Griff oder Schlaufen. Auch die Dicke variiert: Während eine Tiefkühltüte (mit Aroma- und Sauerstoffsperren aufwändig zu produzieren) oder eine Büchertasche dicker ist, ist eine einfache Plastiktüte nur 50 tausendstel Millimeter dünn. „Unsere Lieferzeit beträgt drei bis vier Wochen“, erklärt Pjede. „Wir haben es allerdings auch schon mal in einem Tag geschafft.“
Das war Rekord, denn der Produktionsweg verschlingt Zeit: Während erst aus Granulat in 18 Meter hohen Türmen Folie hergestellt wird, wandert die fertige Folie dann in die Druckerei. Vorher wurde in der „Hexenküche“, der Farbmischanlage, mit Computertechnik die passende Farbe ausgewählt: ein Milka-lila muss eben auch Milka-lila sein. Danach wird die Plastiktüte geschnitten und verpackt. Lebensmittelverpackungen, in dieser Sparte ist Ommer auch aktiv, werden in runden Ballen ausgeliefert.
Das Aufgabenfeld der Lindlarer Firma ist übrigens breit gefächert: Zwei Mitarbeiter kümmern sich allein darum, für einen Kunden Kooperationspartner zu finden. Wenn also die Gebrüder Heinemann die eine Seite einer Plastiktüte gestalten, versucht Ommer, für die andere einen Partner aus der Touristikbranche zu finden. „Damit können sich die Kunden die Kosten aufteilen“, macht Pjede den Vorteil deutlich. Einfache Tüten produziert Ommer übrigens nicht unter einer Auftragsgröße von 5000 Stück: „Alles andere wäre rechnerisch nicht mehr interessant.“
Plastiktüten-Anachronismus aus dem letzten Jahrtausend
06.07.2009 | 19.48 Uhr | GrüneUmwelt
Die Plastiktüte belastet die Umwelt gleich mehrfach. Für die Herstellung wird Erdöl benötigt. Gelangt sie nach ihrem Gebrauch als Müll unkontrolliert…
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