Von ULRIKE WEINERT, 04.07.09, 07:03h
Längst in Gläser gefüllt sind die Erträge der Obstbaumblüte von Ende März / Anfang April. Danach kommt die Rapsblüte, dann die Blüte der Robinie, und nun verblühen die Linden. Nach getaner Arbeit sind die Honigsammler nun so ruhig, dass der Imkerverein Mittlere Erft, dem Hartmut Steinmann vorsitzt, die emsigen Pflanzen-Bestäuber am heutigen bundesweiten Tag der Imkerei getrost auch einem Publikum vorführen kann, das wenig über die nützlichen Insekten weiß, vielleicht sogar wegen des Stachels Angst vor Bienen hat. Anzutreffen sind die Erft-Imker heute von 10 bis 18 Uhr im Knauber-Freizeitmarkt an der Siemensstraße 2.
Hartmut Steinmann lebt mit seinen fünf Völkern in der Nähe des Pulheimer Bahnhofs. Er legt großen Wert auf die Sanftmütigkeit seiner Bienen - wegen der Nachbarn, auf deren guten Willen Imker angewiesen sind. Und damit es mit den Nachbarn weiterhin klappt, gibt Steinmann ab und zu ein Glas Honig herüber; mancher freut sich ohnehin, dass seine Kirschbäume bessere Ernten abwerfen, seit Steinmanns emsige Pollenverbreiter seinen Garten besuchen. Da werden dann auch ausgebüxte Schwärme, die nebenan herumhängen, mit Humor gemeldet: Vermisst du deine Bienen? Nein, wieso? Na, die sitzen bei mir. Jüngst hat Steinmann selbst einem Hummelvolk Asyl gewährt.
Seine ersten Bienenvölker brachte Steinmann aus seiner Heimatstadt Kamen in Westfalen mit. Nach dem Studium der Physik und Erdkunde fürs Lehramt an Gymnasien in Dortmund bekam Steinmann 1985 seine erste Stelle in Köln. Zwei Jahre später zog er mit seiner Familie nach Pulheim. Dem Imkerverein schloss er sich 1989 an, weil ihm dies die Möglichkeit gab, seinen Honig vom Landesverband kontrollieren zu lassen. Bei Prämierungen sind die Steinmann-Erzeugnisse zuletzt zweimal mit Silber und einmal mit Gold ausgezeichnet worden.
Bereits der Vater von Hartmut Steinmann hielt zeitweise Bienen. Dessen Beuten entdeckte Steinmann 1977 als Student wieder und beschloss, Imker zu werden. Die Freude an Bienen hat Steinmann an seine beiden Söhne weitergegeben, die, wenn sie an Wochenenden ins Elternhaus kommen, den kleinen Hobby-Imkerbetrieb mit bewirtschaften. Auch die Kinder von der benachbarten Tagesstätte lässt Steinmann gerne Einblick nehmen in seine Immenwelt.
Es gab eine Zeit, da war der Pulheimer Imker verwaist. Die Varroa-Milbe hatte seine Völker getötet. Inzwischen hat er mit biologischen Bekämpfungsverfahren wie Thymianöl im Sommer und Oxalsäure im Winter die Parasitenplage im Griff.
Wie groß die Honigernte eines Jahres wird, ist kaum vorhersehbar. Steinmann nennt ein zehnjähriges Mittel von 25 Kilogramm pro Volk und Jahr. Das Hobby nennt er teuer, aber kostendeckend durch den Verkauf von Honig und weiteren Bienenerzeugnissen. Auf bis zu vier Märkten ist der Pulheimer jedes Jahr mit einem Stand vertreten, zuletzt bei der Stommelner Woche.
Der Imkerverein Mittlere Erft zählt derzeit 35 Mitglieder. Das sind Menschen, die sagen: Ich esse gerne Honig, möchte meinen eigenen Honig produzieren und etwas für die Natur tun, weiß der 55-jährige Imkervereinsvorsitzende.
Hartmut Steinmann und ein Dutzend Gleichgesinnter sind nun samt ihren Völkern und dem Spruch Honig kann man importieren - Bestäubungsleistung nicht aus den Gärten hinaus in die Öffentlichkeit gezogen, um die Bedeutung der Bienen für den Naturkreislauf ins rechte Licht zu stellen.
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Rundschau zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige
22. April 2012,
E-Werk Köln
Kfm. Umschulungen + Seminare in Köln
Holzspielzeug gesucht, gefunden, geliebt