Erstellt 24.04.09, 17:20h, aktualisiert 27.04.09, 17:39h
Der Turiner Fiat-Konzern ist viel mehr als ein Autobauer. Die 1899 gegründete Fiat Group besteht aus den Bereichen Automobil, Agrar- und Baumaschinen, Industriefahrzeuge und Produktionssysteme. Außerdem verfügt Fiat über Beteiligungen in zahlreichen Bereichen wie Leasing-Unternehmen, Verlagen und dem Flugzeugbau. Der Name steht für "Fabbrica Italiana Automobili Torino", auf Deutsch: Italienische Automobilfabrik Turin. Fiat hat weltweit 178 Werke und 185 000 Mitarbeiter. Davon arbeiten etwa 27 Prozent in der Automobilsparte.
Was gehört zur Auto-Produktpalette?
Zu den Marken im Automobilsegment zählen Fiat, Lancia, Alfa Romeo sowie Maserati und Ferrari. Bei den Lkw ist es Iveco.
Wie steht Fiat da?
Die Fiat Auto-Gruppe verkaufte im ersten Quartal 2009 464 600 Autos, 17,6 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. In West Europa sank die Nachfrage um 17,5 Prozent, lediglich in Deutschland stieg sie mit Blick auf die Abwrackprämie um 90,1 Prozent.
Der Gesamtkonzern rutschte im ersten Quartal in die roten Zahlen. Der Fehlbetrag erreichte 410 Millionen Euro. Der Umsatz schrumpfte von knapp 15,1 auf 11,27 Milliarden Euro. Zudem drücken Fiat Nettoschulden in Höhe von fast 19 Milliarden Euro.
Was spricht für eine Allianz mit Opel?
Fiat wäre ein Investor aus der Branche. Steigt dagegen ein Finanzinvestor ein, ist die Gefahr noch größer, dass da jemand - angelockt von Staatshilfen - nur schnell Kasse machen will. Außerdem könnten beide zusammen größere Überlebenschancen haben.
Was spricht gegen Fiat?
Fraglich ist, ob Fiat eine derartige Übernahme stemmen kann. Außerdem stellen Fiat und Opel die gleichen Produkte her und sind - von einem Fiat-Engagement in Südamerika abgesehen - in den gleichen Märkten tätig. Und beide haben nach Einschätzung des Automobilexperten Stefan Bratzel von der Fachhochschule Bergisch Gladbach etwa 30 Prozent Überkapazitäten. Da stehe jede dritte Opel-Stelle auf dem Spiel, sagt Bratzel.
Gibt es weitere Pläne von Fiat?
Fiat verhandelt gleichzeitig mit Chrysler. Die US-Regierung hat der früheren Daimler-Tochter eine Frist bis Ende April gesetzt, um sich mit Fiat zu einigen. In diesem Fall kann Chrysler auf einen weiteren Kredit von sechs Milliarden Dollar hoffen. Fiat soll Chrysler mit der Technik und dem Wissen für den Bau kleiner Autos versorgen und im Gegenzug einen Chrysler-Anteil von 20 Prozent bekommen. Diese Allianz würde für Fiat mehr Sinn machen, glaubt der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Das Anbändeln mit Opel "riecht nach Taktik und Spielereien". Fiat bringe Opel ins Spiel, um das Management und die Mitarbeitern von Chrysler unter Druck zu setzen und zu Zugeständnissen zu bewegen. Und für gleich zwei Übernahmen fehlen Fiat nach Einschätzung von Bratzel sowohl das Geld als auch die Managementkapazitäten.
Welche Alternativen gibt es?
Interesse an Opel zeigt nach den Worten von Hessens Ministerpräsident Roland Koch auch Magna. Das kanadische Unternehmen mit weltweit über 70 000 Mitarbeitern arbeitet überwiegend als Zulieferer für die Autoindustrie, Magna montiert aber auch Fahrzeuge im Auftrag von Autobauern. Mit Magna im Rücken könnte Opel den osteuropäischen Markt erschließen, sagt Bratzel. Und mit Magna als Partner wären wohl nicht so viele Stellen bedroht wie bei einem Zusammengehen mit Fiat. Dudenhöffer gibt allerdings zu bedenken, dass Magna selbst unter der Branchenkrise leidet. Außerdem könnte ein Einstieg bei einem Autobauer das Zulieferer-Geschäft erschweren. Andere Autobauer würden schließlich einen Konkurrenten mit ihren Aufträgen stärken.
Für wen könnte Opel noch interessant sein?
Am wertvollsten wäre Opel wohl für einen chinesischen Autobauer. Er erhielte Zugang zu westlichem Know-how und bekäme auf einen Schlag ein Vertriebs- und Servicenetz für eine Expansion auf dem europäischen Markt. Auch hier ist die Gefahr groß, dass ein Käufer nach einem Know-how-Transfer die Opel-Werke und das Entwicklungszentrum schließt. (raz/bpo/dpa)
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