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Kundgebung beendet

Demonstrationen verliefen friedlich

Erstellt 09.05.09, 10:13h, aktualisiert 10.05.09, 13:51h

Zum „Anti-Islamisierungskongress“ auf dem Barmer Platz kamen nur wenige Anhänger von "Pro Köln". Mehrere tausend Gegendemonstranten protestierten mit Transparenten und Trillerpfeifen gegen die rechtspopulistische Bewegung.

Demo gegen Pro Köln
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Demonstranten tragen bei der Kundgebung gegen die rechtspopulistischen Bürgerbewegungen "Pro Köln" ein Plakat mit der Aufschrift "No Go für Nazis". (Bild: dpa)
Demo gegen Pro Köln
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Demonstranten tragen bei der Kundgebung gegen die rechtspopulistischen Bürgerbewegungen "Pro Köln" ein Plakat mit der Aufschrift "No Go für Nazis". (Bild: dpa)
Köln stellt sich quer
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Polizeifahrzeuge stehen vor dem Dom auf dem Bahnhofsplatz. (Bild: dpa)
Köln stellt sich quer
Köln - Schüler, Politiker, Muslime, Gewerkschafter, besorgte Bürger jeden Alters - Tausende zeigen den Rechtsradikalen gemeinsam die rote Karte. "Quietschbunt statt kackbraun", heißt die Devise einer Jugendgruppe, die mit Transparenten und Trillerpfeifen gegen Pro Köln und Pro NRW protestiert. "Nazis raus!", rufen Gegendemonstranten in Köln-Deutz. Allein dort sammeln sich geschätzte 2500 Menschen. Zwischen ihnen und dem rechtsradikalen "Anti-Islamkongress" der Pro-Gruppen sorgen Scharen von Polizisten für ausreichenden Sicherheitsabstand. Eine Kneipe in der Nähe des abgeschirmten Barmer Platzes stellt klar: "Kein Kölsch für Extremisten".

Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) betont auf der zentralen Protest-Kundgebung: "Köln ist nicht rechts, Köln ist nicht braun, Köln ist friedfertig, weltoffen und tolerant." Es sei weder "Platz für rechtsextremes Gedankengut noch für autonome Gewalttäter". Reinhard Bütikofer, Europa-Spitzenkandidat der Grünen, ruft: "Wir überlassen den Rattenfängern nicht den öffentlichen Raum". Auch Kabarettist Jürgen Becker zeigt Präsenz gegen Rechts.

Die Präsenz von insgesamt gut 5600 Beamten in Tag- und Nachtschichten ist am Samstag allgegenwärtig. Überall Uniformen, Mannschaftswagen, Wasserwerfer stehen bereit. Das Geräusch von kreisenden Hubschraubern liegt über der Stadt. Der Tagungsort ist bewusst weit entfernt von der Innenstadt gewählt, ist durch den Rhein von der City getrennt und lässt sich hinter dem Deutzer Bahnhof gut abschirmen. Lediglich von einigen kleineren Scharmützeln berichtet die Polizei - mal sind es Rangeleien mit Ordnern der Pro-Anhänger, mal linke Störer.

Auf dem Barmer Platz buhen Gegendemostranten die Pro Köln-Aktivisten aus. Über dem Platz fliegt ein Flugzeug, das ein Banner mit der Aufschrift „Min Fründ ist Ausländer“.

Gegen 10.20 Uhr stürmen die rund 50 Gegendemonstranten mit Rufen wie „Nazis raus“ auf den Barmer Platz. Die Polizei versucht vergeblich, die Demonstranten des Platzes zu verweisen. Die Linken haben es geschafft, eine Sitzblockade vor dem Kundgebungstruck von Pro Köln zu errichten. Bei dem Versuch der Pro-Köln-Ordner, diese aufzulösen, kam es zu Handgreiflichkeiten und Schlägereien.

Am Deutzer Bahnhof hält die Polizei eine weitaus größere Gruppe linker Gegendemonstranten von der Kundgebung fern. Sie ist gegen 12.30 Uhr beendet. Unter lautem Protest der Gegendemonstranten werden die Anhänger des rechtsgerichteten Bündnisses zum Deutzer Bahnhof geleitet. Dort steigen sie in die S 6 Richtung Essen.

Ein paar linke Autonome muss die Polizei am Deutzer Bahnhof abführen. Offenbar sind die Gegendemonstranten mit den Beamten aneinandergeraten

Im September 2008 hatte die Polizei kurz vor Start des "Anti-Islamkongresses" die Notbremse gezogen und die Veranstaltung gestoppt. Die Lage drohte nach Ausschreitungen von Linksautonomen zu eskalieren. Bilder von Steinewerfern, Vermummten, Schlagstöcken und auch Kindern und Jugendlichen unter den festgenommenen Krawallmachern gingen um. Die Polizei hatte nun für die Neuauflage des "Kongresses" ihre Lehren gezogen.

Pro Köln und Pro NRW als Veranstalter des "Kongresses" haben keineswegs die Massen mobilisieren können, nur 250 Anhänger sind gekommen. Schon bei den Veranstaltungen am Vortag im Kölner Umland karrten Kleinbusse immer dieselben 50 Pro-Leute von Stadt zu Stadt. Der Verfassungsschutz hat die Gruppierungen im Visier. NRW-Innenminister Ingo Wolf (FDP) nennt die Truppe eine Gefahr für die Demokratie, Experten sprechen von "Neonazis in Nadelstreifen". Die Pro-Gruppen wollen mit Anti-Islam-Parolen in 20 NRW-Kreisen bei der Kommunalwahl antreten und 2010 in den Düsseldorfer Landtag einziehen.

Auch Muslime zeigen am Samstag Flagge gegen Rechts. "Wir wollen den Islam auch gegen die Hetze verteidigen", sagt die 24-jährige Ince. Thorsten (34) aus Köln meint: "Die rechtsradikalen Geisteskranken sollen die Muslime doch endlich mal in Ruhe lassen."

Das Bundesverfassungsgericht hat in einem Urteil am Freitag Abend bestätigt, dass die Kundgebung von Pro Köln nicht auf dem Roncalliplatz stattfinden darf, sondern auf den Barmer Platz verlegt wird. Auch der Aufzug des rechtsgerichteten Bündnisses von dort zur Moschee in Ehrenfeld bleibt verboten. Das Bundesverfassungsgericht bestätigt damit die Verfügungen von Polizeipräsident Klaus Steffenhagen. (hin/dpa)



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