Von Jaqueline Rasch, 08.06.09, 12:26h, aktualisiert 08.06.09, 15:07h
Zum Schlafen ins pitschnasse Zelt
Show und Schmerz liegen hier so nah beieinander. Das gilt vor allem für die 80 000 Fans, die am Ring erneut übelst wechselhaftem Eifelwetter widerstehen, aber mächtig Spaß haben.
Auf andere Weise schrill geben sich Placebo just am Erscheinungstag ihrer neuen CD "Battle for the sun" die Ehre. Kajal umrandete Augen bei Brian Molko, Lurextop bei Stefan Olsdal und neuerdings der großflächig tätowierte Trommler-Beau Steve Forrest gehören zum Konzept. Molko, den David Bowie dereinst "die Tochter, die ich nie hatte" nannte, singt in CD-Qualität, und nicht erst bei "Special K" rasten die Fans aus. Im Bunde mit Razorlight und The Killers sind die Headliner am Freitag abend der Kontrast zu den Fürsten der Finsternis am Samstag.
Volbeat mit Hommage an "Man in Black" Johnny Cash
Viele Festivalbesucher haben sich noch in ihren pitschnassen Zelten verkrochen oder basteln an Regenoutfits aus Mülltüten, als die Feingeister und Metaller von Trivium bestens gelaunt die wenigen Fans in Wallung bringen, die sich nachmittags vor der Bühne tummeln. Volbeat bringen eine Hommage an den "Man in Black" Johnny Cash, bevor Machine Head die Bühne gehört. Robert Flynn, sympathischer Sänger der Trash-Metal-Urgewalt aus Oakland, growlt und flucht und lacht sich eins und lädt die Fans ein, kurzzeitig mit ihm den Verstand zu verlieren. Genau dazu sind sie ja hergekommen, und so wirbeln hunderte vergnügte junge Menschen rempelnd im Kreis herum, bilden Strudel in der Menge. Machine Head kann übrigens alles: Das großartige "Helo" mit Wohlgesang und Akustikgitarre beweist es. Eine Stimmungs-Steilvorlage für die Electro-Punk-Acid-Drum & Bass-Legende The Prodigy.
Gar nicht so hart wie sie aussehen sind offenbar Slipknot, auch wenn sie allesamt Masken tragen. Ganz artig bedankt sich Sänger Corey Taylor bei den Fans, denn gerade 30 Minuten zuvor hatten die Amerikaner Gold für ihr Album "All hope is gone" entgegen genommen.
Und wer die ganzen Metal-Richtungen nicht ausstehen kann, der hatte an jedem Festivaltag Alternativen, hatte die freie Auswahl auf den beiden weiteren Bühnen zwischen den hervorragenden Gaslight Anthem, The Script, Jan Delay oder Reamonn.
Eifelkurs bleibt weiterhin Host von Rock am Ring
Der Eifelkurs bleibe bis auf unbestimmte Zeit jeweils am ersten Juniwochenende Schauplatz dieses einzigarti gen Riesenfestes, sagt Ringchef Walter Kafitz. Die Veranstaltergemeinschaft - die Marek Lieberberg Konzertagentur und die Nürburgring GmbH - "betreiben unheimlich hohen Aufwand für das Festival. Wir wollen den Fans Qualität bieten", sagt Kafitz. Und gestern versprach Marek Lieberberg sogar, zum 25. Rock am Ring im nächsten Jahr selbst mit einer Band auf der Center Stage aufzutreten.
Keine Frage, jede Bühne und auch das Soundwave-Tent für Newcomerbands sind extrem aufwendig ausgestattet, über die Amüsiermeile mit 20-Meter-Hochsitz, Bungeejumping, Strandbar, Surfsimulator, Merchandising, Fressbuden und Fußreflexzonenmassage kann auch keiner meckern. Zur Qualität gehört auch ein neues Sicherheitssystem im Fahrerlager. Das las sich auf den Großbildschirmen zwar wie die Gebrauchsanweisung eines Boxenstopps, ist wohl sinnvoll. Drei Wellenbrecher vor der Hauptbühne teilen die Masse auf, verhindern gefährlichen Druckaufbau und lassen dem einzelnen mehr Platz als bisher.
Polizei-bilanz: "Enspannt und friedlich"
Geregelt und relaxed, so soll die Stimmung sein. Dazu passt auch die Bilanz der Polizei: "Entspannt und friedlich", sagt Sprecher Lars Brummer. 21 Unfälle mit zwei leicht Verletzten, 73 Diebstähle und fünf Sachbeschädigungen, das sind "verschwindend geringe Zahlen". Normalen Einsatzverlauf meldet auch der Kreisverband Ahrweiler des Deutschen Roten Kreuzes. In den zwölf Sanitätsstationen wurden tausende Hilfeleistungen absolviert und hunderte Rettungs-und Krankentransporteinsätze organisiert. Hilfe brauchten vor allem diejenigen, die trotz sieben Grad Celsius und Dauerregen mit nacktem Oberkörper Pogo tanzten.
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