Von Ulrike Weinert, 19.07.09, 20:31h
„Ich bin aber kein Rätselerfinder, sondern ein Rätselmacher“, unterscheidet Susen. Denn für neue Rätsel greift er auf bekannte Arten zurück und denkt sich neue Kombinationen aus. Drei Computer sind in Susens Büro in Betrieb. Für das Rätselschreiben gibt es längst Programme. „Mit deren Hilfe könnte ich Aufgaben stellen, die ich selbst nicht lösen kann, aber andere“, erklärt der 59-Jährige, der seine eigenen Fertigkeiten in der Rätselkunst als mittelmäßig einstuft. „Das ist aber ein großer Vorteil“, so seine Erfahrung. Denn er möchte mit seinen logischen Denkspielen möglichst viele Rätselfreunde erreichen, und dafür muss er einschätzen können, wie ein gutes Rätsel aussieht und wie schwierig es sein darf.
„Es ist eine Kunst, Menschen, die man unterhalten will, eine Herausforderung zu bieten, die gerade eben noch zu bewältigen ist, ohne Frust zu erzeugen“, beschreibt der Rätselmacher die Gratwanderung seiner Arbeit.Bleistift und Radiergummi sind die wichtigste Ausrüstung für Sudoku-Rätsellöser. So erwartet Susen auch nach der zweiten Brühler Meisterschaft am Sonntag, 11. Oktober, im Ramada-Hotel, dass er den Saal von vielen Radiergummi-Krümeln reinigen muss. Wegen des Radierens achtet Susen bei den fertigen Rätselheften, die er seinen Auftraggebern liefert, darauf, das geeignetes Papier verwendet wird. Kommen kann an dem Tag jeder, der Lust hat, sich mit anderen zu messen.
In drei Runden von bis zu zehn Teilnehmern werden zwischen 11 und 18 Uhr die Besten ermittelt und schließlich der Brühl-Meister im Sudoku, der sich damit für die Deutsche Meisterschaft in Pirmasens qualifiziert. Die Stadt hat die Sudoku-Meisterschaft eingegliedert in ihre Reihe „Menschen im besten Alter 55 plus“. Doch Johannes Susen weiß von nationalen und internationalen Wettbewerben, dass der Denksport weder alters-, bildungs- noch geschlechtsspezifisch ist.
Deutscher Meister
testet die Aufgaben
Deutscher Meister zum vierten Mal in Folge ist Paketzusteller Michael Ley aus Engelskirchen. Bei ihm befinden sich die Aufgaben, die sich Johannes Susen für die zweite Brühler Sudoku-Meisterschaft ausgedacht hat, derzeit in der Erprobung. Der deutsche Rätselverein „Logic Masters Deutschland“ ist in Brühl eingetragen und Mitglied im Rätsel-Weltverband „World Puzzle Federation“.
Sudoku lernte Susen bereits 1992 in New York kennen, damals noch als Redakteur bei Bastei. Er nahm die Rätsel in seine Hefte auf, doch das Interesse erwachte erst, als eine große Wirtschaftszeitung Sudoku populär machte. Als die Bastei-Rätselredaktion ausgelagert wurde, machte sich der gelernte Bankkaufmann und Absolvent eines Germanistik-, Politik- und Geschichtsstudiums selbstständig. Die zehn Zeitschriften, die er heute beliefert, bekommen von ihm neben Sudoku auch alle anderen beliebten Rätselarten, selbstverständlich auch den Klassiker Kreuzworträtsel.
Zu Susens Bestreben, mit Rätseln Menschen zu unterhalten, gehört auch eine ansprechende Gestaltung. So entwirft er die Zahlenvorgaben in den Sudoku-Rätseln als Muster. Das kann eine ovale Form sein mit ausgefüllten Ecken im mittleren Quadrat, ein Kreuz oder ein Innenkreis mit Zahlen in den vier äußeren Ecken des gesamten Sudoku sein. Besonders bewundert Susen die Herzform, die der japanische Großmeister Nishio Tetsuya geschaffen hat. Rätsel-Weltmeister, nicht nur im Sudoku, ist der Deutsche Ulrich Voigt, mit dem Susen ebenfalls in Verbindung steht.
Mit einem Worträtsel wollte Johannes Susen vor allem Menschen seiner Generation eine besondere Freude machen: Als Lösungswort kommen die Beatles heraus.
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