Von STEPHAN BROCKMEIER, 24.07.09, 07:06h
Ich habe den Aufruf auf einem Zettel in der Bäckerei gelesen, und weil ich selbst in einem Herzkatheterlabor arbeite und ein Kind habe, war es mir ein inneres Bedürfnis, hierhin zu kommen, sagt Bianca Steimer (42) aus Hoffnungsthal. Ihr Mann Peter (63) darf sein Blut nicht mehr abgeben, weil er die Altersgrenze von 55 Jahren schon überschritten hat. Er will nun stattdessen Geld spenden: Das ist mir ein besonderer Wunsch. Ich habe meine erste Frau durch Leukämie verloren.
Eine der Helferinnen, die im Arztzimmer Blut abnehmen, ist Dr. Iris Pischel, die Ehefrau des Erkrankten. Sie freut sich über den Ansturm der Hilfswilligen: Ich finde es toll und bin total beeindruckt. Die Aufrufe in den Zeitungen und im Lokalfunk hätten Wirkung gezeigt.
Ihr Schwager Andreas Hoernel (Ich hab die Zwillingsschwester von Iris bekommen) hilft unterdessen bei der Organisation der Wartenden auf dem Flur und verteilt Typisierungs-Sets: Das sind im Wesentlichen zwei Blutröhrchen und ein kurzer Fragebogen, auf dem die Spender ihren Namen und die Telefonnummer angeben müssen. Wir haben heute 400 Sets mitgebracht und immer jemanden in Bereitschaft, der bei Bedarf weitere Sets aus Köln holen kann, sagt er. Auch er hofft, dass bei der Typisierungsaktion ein geeigneter Knochenmark- oder Stammzellenspender gefunden wird. Wenn nicht für Gereon, dann vielleicht für einen anderen Menschen auf der Welt.
Die Typisierungen kosten 50 Euro pro Spende. Darum bittet er: Wer es sich leisten kann, sollte auch die Kosten für die Untersuchung der eigenen Blutprobe übernehmen. Iris Pischel ist zuversichtlich: Das kriegen wir schon hin. Unterdessen taucht eine Gruppe junger Frauen auf dem Flur auf, Krankenpflegeschülerinnen. Wir machen alle heute Examen und anschließend retten wir noch Leben, verrät Gundi Heim aus Opladen gutgelaunt. Die Schwestern sind nicht die einzige Gruppe an diesem Tag, wie Kinderkrankenschwester Angela Schneider berichtet, die an diesem Vormittag ebenfalls bei der Typisierungsaktion hilft. Direkt am Morgen ist schon eine zehnköpfige Abordnung der Bensberger Feuerwehr-Wache herübergekommen, um sich Blut abzapfen zu lassen.
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