Von ANITA BORHAU-KARSTEN, 27.07.09, 07:18h
Halterin Corinna Unger kennt die Reaktion der Leute auf ihre exotischen Tiere und nimmt es ähnlich gelassen wie die Vierbeiner. Auch die Lamas gehen etwa zwei- bis dreimal wöchentlich auf Wanderschaft, begleiten Kinder zum Geburtstagspicknick oder Erwachsene bei ihrer Eifel-Tour durchs nahe Vischeltal und tragen dabei die Verpflegung auf ihren Rücken.
Corinna Unger selbst hat ihre Liebe zu den Kameliden ebenfalls beim Wandern entdeckt. Nach einer dreitägigen Lama-Trekkingtour im Vogelsberg war es um mich geschehen, berichtet die 41-Jährige, die sich im September 2007 ihre ersten beiden Lamas anschaffte. Um die Tiere artgerecht halten zu können, hatte sie zuvor beim Verein der Züchter, Halter und Freunde von Neuweltkameliden Kurse belegt. Auch ihr Mann Robert teilt ihre Begeisterung, kümmert sich zum Beispiel ums Scheren der Wolllieferanten.
Etwa alle zwei Jahre ist dies hierzulande wegen der Sommerhitze schon aus Tierschutzgründen erforderlich. Mittlerweile ist die kleine Hilberather Herde auf sechs Tiere angewachsen, alles Hengste und Wallache, weil ein Mädchen nur Unruhe in die Männergesellschaft bringen würde. Äußerst genügsam seien die Tiere. Wasser, Gras und Heu sowie Zeit zum Wiederkäuen - mehr brauchen sie nicht, berichtet Unger. Weil sie kein Insulin produzieren, vertragen Lamas weder Brot noch Zuckerhaltiges wie Obst. Vom Wesen seien sie Katzen ähnlich, sensibel und sehr leise.
Sie tun nur das, was sie wollen, unterstreicht Unger, mit Hektik läuft bei den Lamas gar nichts. Deshalb wird beim Lama-Trekking, das die Ungers seit Juli 2008 anbieten, in sehr gemächlichem Tempo gewandert. Das ist auch der Schlüssel zur entspannenden Wirkung der Wanderungen. Wenn man sich darauf einlässt, kann man runterfahren und den Stress des Alltags hinter sich lassen, schwärmt die Tierfreundin. Bisweilen kommt es vor, dass eines der Lamas beim Wandern nicht weiter will - eine Herausforderung für das Einfühlungsvermögen desjenigen, der das Tier am Halfter führt.
Besonders für Kinder sind die Touren mit den Lamas ein unvergessliches Erlebnis. Gemeinsam gehen sie auf Schatzsuche oder neuerdings auch in Begleitung von Biologin Silvia Johna auf Natur-Entdeckungsreise und lassen sich später Kuchen, Obst und Saft aus dem Lama-Gepäck beim Picknick schmecken. Pedro, Matteo, Winnetoo und Co. sind ideale Kinderbegleiter, denn wenn ihnen das Streicheln zu viel wird, weichen sie aus oder gehen nicht weiter. Sie treten und beißen nicht und - entgegen der landläufigen Meinung - bespucken sie auch keine Menschen, weiß Corinna Unger. Das Spucken diene nur innerhalb der Herde zur Unterstreichung der Rangordnung.
Kinder lernen bei ihren Wanderungen mit den stillen Begleitern selbst behutsam und leise zu sein und Verantwortung zu tragen für das Tier, das sie führen, erläutert die Mutter zweier Söhne. Auch das ängstlichste Kind traue sich schließlich, ein Lama zu führen, ins dicke Wollkleid zu packen und zu streicheln und gewinne dadurch Selbstvertrauen. Hunde und auch Pferde reagieren leider oft irritiert auf die ihnen unbekannte Tier-Art. Deshalb dürfen die bei den Wanderungen nicht dabei sein.
Bald schon finden wieder Lama-Wanderungen für Kinder in Begleitung der Biologin Silvia Johna rund um Hilberath statt, und zwar am 20. August unter dem Motto Ein Männlein steht im Walde und am 11. September unter dem Titel Farben des Herbstes. Die Wanderungen dauern etwa zwei Stunden. Bis zu 14 Kindern ab sechs Jahren können teilnehmen für jeweils 13 Euro inklusive Obst und Getränke. Es sind noch Plätze frei. Anmeldung unter Tel.: (0 22 26) 90 68 40.
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