kalaydo left kalaydo logo
stellen
auto
immobilien
marktplatz
inserieren
Schriftgröße

Siegeszug von L´Oreal

Imperium des schönen Scheins

Von Dierk Strothmann, 29.07.09, 11:36h

Ob blond, ob braun, er liebte alle Frau'n: Am 30. Juli 1909 erfand der Chemiker Eugène Schueller in Paris das erste synthetische Haarfärbemittel und gründete zum Vertrieb die „Französische Gesellschaft zur Herstellung von unaggressiven Haarfarben“.

Claudia Schiffer
Bild vergrößern
Auch Prominenz wie Claudia Schiffer macht Reklame für L´Oreal. (Bild: dpa)
Claudia Schiffer
Bild verkleinern
Auch Prominenz wie Claudia Schiffer macht Reklame für L´Oreal. (Bild: dpa)
Damals galt Haarefärben als anrüchig. Das taten nur Schauspielerinnen und Damen eines zwielichtigen Gewerbes. Schon im alten Griechenland waren es nämlich in erster Linie die Kurtisanen, die Blond raffinierter als ihr meist natürliches Schwarz fanden und es mit einer nach Apfel duftenden Paste aus Kaliumsalz, gelben Blütenblättern und Pollen traktierten.

Und so ist es kein Wunder, dass der Franzose Eugène Schueller mit seiner Idee anfangs keineswegs Erfolg beschieden war. Dieses uralte Vorurteil abzuschaffen, erforderte jahrzehntelange teure, letztlich aber erfolgreiche Werbekampagnen. Noch 1950 färbten beispielsweise nur sieben Prozent der Amerikanerinnen ihre Haare, heute mehr als 70 Prozent.

Eine Maßnahme aber griff sofort: Monsieur Schueller gab seiner Firma einen anderen Namen. Und da sein neues Haarfärbemittel den schönen Namen „Auréole“ (Glorienschein) trug, machte er daraus „LOréal“, den heute größten Kosmetikkonzern der Welt.

Was Eugène Schueller genau in sein Zaubermittel mixte, wurde nie bekannt, und bis heute hält sich seine Firma bedeckt, wenn es um so brisante Themen wie krebserzeugende oder andere Krankheiten auslösende Chemikalien oder um Tierversuche geht. Immer wieder wird der eine oder andere Verdacht geäußert und stets energisch von der Geschäftsleitung bestritten.

Die Familie Schueller steht ohnehin nicht gern im Rampenlicht. Das gilt für Eugènes Enkelin Françoise, die aktuell im Aufsichtsrat von L'Oréal sitzt, ebenso wie für seine inzwischen 86-jährige Tochter Liliane. Die alte Dame ist noch vor dem Nestlé-Konzern mit 27,5 Prozent Hauptanteilseignerin der Weltfirma und mit einem laut „Forbes“ auf 22,9 Milliarden US-Dollar geschätzten Vermögen eine der reichsten Frauen der Welt.

Als einer der Hauptgründe für die Öffentlichkeitsscheu von Schuellers Verwandtschaft gilt allerdings die fragwürdige Vorliebe des Firmengründers für Antisemitismus und andere rechtsradikale Ideen. Schueller war ein enger Freund von Eugène Deloncle, dessen terroristische Vereinigung „Cagoule“ für zahlreiche Morde an Kommunisten und Antifaschisten verantwortlich war.

Kungeln gehörte

zum Erfolg

Deloncle kungelte intensiv mit dem von den Nazis eingesetzten Vichy-Regime und starb bei einem Schusswechsel mit der Gestapo, die ihn wegen seiner Verbindungen zum inzwischen in Ungnade gefallenen deutschen Abwehrchef Wilhelm Canaris verhören wollte.

Nach dem Krieg beschäftigte Schueller Deloncles Adoptivsohn Jacques Corrèze, der unter anderem mit den Arabern verhandelte, die wegen der Übernahme des US-Kosmetikkonzerns Helena Rubinstein L'Oréal boykottierten. Der Schönheitsmittel-Tycoon konnte sich nach dem Krieg von dem drängenden Verdacht der Kollaboration nur befreien, weil ihm zwei Kumpel aus alten Cagoule-Zeiten bescheinigten, Widerstand gegen die Nazis geleistet zu haben.

Die beiden Zeugen trugen prominente Namen: Der eine war André Bettencourt, der später zahlreiche Ministerämter bekleidete (so für kurze Zeit Außenminister), und Schuellers Tochter Liliane heiratete.

Der andere war François Mitterrand, der sich seit 1942 für das Vichy-Regime um die Kriegsgefangenen kümmerte, gleichzeitig aber heimlich Kontakt zur Résistance um Charles de Gaulle hielt. Mitterrand war sogar kurzfristig Direktor bei L'Oréal, bevor er 1946 als Abgeordneter ins französische Parlament einzog und schließlich von 1981 bis 1995 als erster und bisher einziger Sozialist das Amt des Staatspräsidenten bekleidete.

Übrigens hatte bereits 1939 eine Nichte des Cagoule-Chefs Deloncle, Édith Cahier, Robert Mitterrand geheiratet, den Bruder des späteren Spitzenpolitikers. Und Mitterrand selbst löste ein kleines politisches Erdbeben aus, als 1992 herauskam, dass er 1987 am Jahrestag des Waffenstillstands heimlich einen Kranz am Grab der Vichy-Ikone Marschall Pétain hatte niederlegen lassen. Das aber erlebte Eugène Schueller nicht mehr. Er wurde 76 Jahre alt und starb am 23. August 1957.

Doch bis heute flackert hin und wieder rassendiskriminierendes Gedankengut bei L'Oréal auf, obwohl auch dies vehement bestritten wird. 2007 war die zum Konzern gehörende Firma Garnier zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil sie bei der Suche nach Frauen für eine Werbekampagne Kandidatinnen mit dunkler Hautfarbe ausgeschlossen hatte.



Die Kölnische Rundschau im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Rundschau zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

WAS.WANN.WO.


Anzeige


rundschau-schulfinder

Finden Sie die passende Schule für Ihr Kind

Stadt:
und
PLZ:
und / oder Schulform
Gymnasium
Hauptschule
Realschule
Gesamtschule


Rundschau-Livekonzert



Bildergalerien


Rundschau auf Facebook

Kölnische Rundschau on Facebook

Rundschau-Service


Rundschau-Quiz


Rundschau-Quiz


Rundschau-Service


Rundschau-Webbewerb


Rundschau-Serie


Serie


Serie


Bussgeldkatalog


Extra


Extra


Dienste