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Kreistagskandidat wider Willen

Von ARND GAUDICH, 12.08.09, 07:09h

„Bitte wählt mich nicht“, appelliert Dieter Beckers an seine Mitbürger. Der Morsbacher Malermeister kandidiert für „Pro NRW“. Obwohl er mit der...

MORSBACH. „Bitte wählt mich nicht“, appelliert Dieter Beckers an seine Mitbürger. Der Morsbacher Malermeister kandidiert für „Pro NRW“. Obwohl er mit der rechtspopulis-tischen Partei gar nichts zu tun haben will.

„Gegen Islamisierung und Überfremdung“ hat sich Pro NRW auf die Plakate geschrieben. Parolen, mit denen sich Beckers nicht identifizieren kann. Dass ihn die Partei für die Kreistagswahl am 30. August ins Rennen schickt, hat der 49-Jährige am Wochenende per Zufall erfahren. Doch gänzlich überrascht war Beckers nicht. Denn mit Pro NRW hatte er vor Kontakt - nicht ahnend, wogegen die Partei eintritt.

Rückblende: Als Beckers einen Pro-NRW-Prospekt im Briefkasten fand, hätten ihm die Positionen zu Schule und Arbeitslosigkeit gefallen, sagt er selbst. Später habe er Besuch vom Pro-NRW-Kreisvorsitzenden Udo Schäfer bekommen. Dieser habe ihn von einer Kandidatur überzeugt. Beckers unterzeichnete eine entsprechende Zustimmung.

„Bis dahin habe ich nicht gewusst, dass Pro NRW rechtsradikal ist“, beteuert Beckers. So sammelte er Unterschriften seiner Nachbarn, um als Kandidat zugelassen zu werden. Was das Gedankengut dieser Partei tatsächlich ist, habe er erst später bei einer Infoveranstaltung in Marienheide erfahren, sagt Beckers: „Das ging mir gegen den Strich.“ Noch am selben Abend habe er seine Kandidatur mündlich zurückgezogen. Die gesammelten Unterschriften warf er weg. Dass er nichts mehr mit der Partei zu tun haben wolle, wiederholte Beckers in einem Telefonat mit Schäfer. Das war im Mai, nach dem Kongress in Köln.

Das letzte Telefonat bestätigte Schäfer gestern auf Nachfrage unserer Zeitung: „Herr Beckers sagte mir zwar, dass er nicht mehr kandidieren wolle. Doch zu diesem Zeitpunkt war er längst beim Kreiswahlamt gemeldet.“ Er habe Beckers nicht zugesagt, die Kandidatur zurückzuziehen, behauptet Schäfer. Schließlich habe Beckers noch bei der Versammlung in Marienheide seine Kandidatur bekräftigt, widerspricht Schäfer der Darstellung von Beckers. So blieb Beckers beim Oberbergischen Kreis als Kreistagskandidat erfasst.

Die fehlenden Unterschriften für Beckers Kandidatur besorgte nun die Partei Pro NRW selbst. „Zwei Pro-NRW-Mitarbeiter aus Köln sind nach Morsbach gereist und haben dort die Unterschriften gesammelt“, sagt Schäfer. Er bestätigt auch, dass dies ohne Wissen von Dieter Beckers geschehen ist. Dass Pro NRW Beckers Kandidatur hinter dessen Rücken weiterbetrieben hat, findet Schäfer in Ordnung: „Die Zeit reichte nicht mehr aus, um einen anderen Kandidaten für Morsbach aufzutreiben.“

So fiebert Beckers nun dem Wahltag am Sonntag, 30. August, entgegen - als Kandidat, der nicht gewählt werden will. Dass er für Pro NRW im Kreistag sitzen muss, ist jedoch nicht zu befürchten, erklärt Britta Schorre vom Kreiswahlamt: „Selbst wenn er gewählt wird, kann Herr Beckers die Wahl noch immer ablehnen.“



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