Von Anna Hagebusch, 11.08.09, 20:47h
Firmengründer Uwe Braun (36) war schon früh Computer-Fan. Ein Schlüsselerlebnis hatte er mit 18: „Ich hatte Physik-Leistungskurs und habe in einer ,Newsgroup eine Frage gestellt. Am nächsten Tag hatte ich Antworten aus der ganzen Welt.“
Ein Zufall führte ihn nach dem Studium der Kommunikationswissenschaft mit Mike Behrendt zusammen. Gemeinsam gründeten sie die Firma. „1997 saßen wir das erste Mal in unserem Leben beim Notar: Wir waren total aufgeregt“, so Braun. Der erste Firmenstandort war - wie es sich für ein Internet-Unternehmen gehört - eine Garage in Wesseling. Die erste Werbemaßnahme: eine Anzeige, schwarz-weiß und eine achtel Seite groß, für die beide ihr ganzes Geld zusammenkratzten. Doch es lohnte sich: „2000 waren wir schon eine richtige Firma, mit 15 Mitarbeitern und 10 000 Kunden. Wir machten die erste Million Umsatz.“
„Seitdem hat das Unternehmen eine gigantische Entwicklung genommen“, berichtet Patrick Pulvermüller. Der 33-Jährige bildet mit Uwe Braun mittlerweile die Geschäftsführung; Mike Behrendt hat das Unternehmen verlassen.
Heute hat Host Europe 175 000 Kunden, für 2009 wird die Umsatzmarke von 30 Millionen Euro angepeilt. Und: Die Krise spürt man hier nur marginal. „Im Neukundengeschäft verbuchen wir für das erste Halbjahr 2009 ein Plus von 20 Prozent“, so Braun. Bei den Bestandskunden bewegten sich die Kündigungen „im minimalsten Bereich“. Für Braun liegt der Grund dafür auf der Hand: „Das Internet ist die günstigste Form der Unterhaltung“. Für viele Firmen sei die Präsenz im Netz überdies existenziell: „Manche schließen lieber ein Geschäft und vergrößern stattdessen ihren Online-Shop.“
Dafür, dass die Dienste von „Host Europe“ auch bei Stromausfall zur Verfügung stehen, sorgt eine gigantische Notstromversorgung - noch vor dem Flughafen die zweitgrößte Kölns: Vier Dieselmotoren, rund um die Uhr auf Betriebstemperatur gehalten, können innerhalb von einer Minute die Versorgung der Server übernehmen.
Insgesamt verbraucht Host Europe 20 Gigawattstunden Strom im Jahr. Unvorstellbar viel - und doch deutlich weniger als in vergleichbaren Anlagen anderswo: Ein Hightech-Klima-System sorgt dafür, dass die Server möglichst energieeffizient gekühlt werden; Büros werden mit der Abwärme der Server geheizt: Das Bürogebäude weist eine ausgeglichene CO-Bilanz auf. Diverse Preise haben die Kölner für ihren Beitrag zur Nachhaltigkeit schon eingeheimst. Und: Ihre Expertise ist gefragt. „Im Arbeitskreis für Data-Center des deutschen Internet-Industrie-Verbandes geben wir unser Wissen gerne weiter“, betont Pulvermüller.
Sehr behutsam geht man bei „Host Europe“ auch mit einer weiteren wichtigen Ressource um: Die Bedürfnisse ihrer 165 Mitarbeiter - ihr Altersdurchschnitt liegt bei 29 Jahren - sind beiden Chefs sehr wichtig. Gratis-Rückenschulungen, die neue Kita und die Kantine mit gesundem Essen und Gratis-Öko-Obst sind das eine. Viel wichtiger ist aber, dass die Mitarbeiter ernst genommen werden. In einer internen Datenbank darf jeder Ideen einstellen. Patrick Pulvermüller verspricht, jede innerhalb von vier Wochen auf Effekt und Machbarkeit zu prüfen.
Die Begeisterung, die die beiden Geschäftsführer an den Tag legen, wirkt ansteckend: Ob sie die mächtigen Dieselgeneratoren oder das ausgefuchste Kühlsystem präsentieren - Uwe Braun und Patrick Pulvermüller sind stets Feuer und Flamme. So stellt man sich die Stimmung im Silicon Valley auf der Höhe des Internet-Booms vor. Schon jetzt ist „Host Europe“ eine feste Größe in der Branche - Uwe Braun erklärt das so: „Würde man auf einer Landkarte die Datenflüsse im Internet als Lichtspuren sehen, wäre Köln ein riesiger, heller Stern - und das liegt vor allem an uns.“
Hmm
12.08.2009 | 22.01 Uhr | HansSolo
Ich vermisse die "Werbung" Markierung an diesem Artikel.
Auch Sterne verglühen irgendwann...
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