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„Als ob die Zeit stehen geblieben wäre“

Von MANFRED HILGERS, 17.08.09, 07:00h

Das Geheimnis des Regierungsbunkers in Urft wurde Samstag endlich gelüftet! NRW-Innenminister Dr. Ingo Wolf eröffnete den Bunker als Museums- und Dokumentationsstätte vor...

URFT. Das Geheimnis des Regierungsbunkers in Urft wurde Samstag endlich gelüftet! NRW-Innenminister Dr. Ingo Wolf eröffnete den Bunker als Museums- und Dokumentationsstätte vor zahlreichen Gästen.

Bei strahlendem Sommerwetter wies Privatier Claus Röhling in seiner Eröffnungsansprache darauf hin, dass künftig jeden Samstag Führungen durch den Regierungsbunker angeboten werden. „Früher hörte man in der geheimen Phase des Bunkerbaus selbst in Steinfeld einen Arbeiter, der Trompete spielte“, berichtete Röhling. So wurde am Samstag die nicht geheime Phase ebenfalls mit Trompetenklängen von Peter Züll und Johannes Klein eingeläutet. Und zwar mit den Stücken „Show- Business“ und „Komm, wir machen eine Reise“.

Unter einem Sternenzelt versammelte sich schließlich der „Melody-Chor“ aus Marl. Die Singgemeinschaft hatte bereits vor einiger Zeit eine Bunkerführung gebucht. Dass die nun just auf den Tag der Einweihung fiel, war purer Zufall. So wurden die Sängerinnen und Sänger im Alter zwischen 14 und 80 Jahren von Claus Röhling in die Einweihungszeremonie eingebunden. Gerne kamen sie dem Wunsch nach und sangen unter Leitung von Angelika Claassen „Freude schöner Götterfunke“.

Auf einer dekorativen Holzkiste lagen bereits vier frisch geschliffene Scheren, denn das Band mit der Aufschrift „geheim“ musste schließlich durchtrennt werden. Mit dabei war auch der heute 82-jährige Senior Ernst Braun, der die Anlage gebaut und auch noch nach seiner Pensionierung gepflegt hat.

Braun, der mit seiner Gattin in Steinfeld lebt und damals bei der Forma Siemens beschäftigt war, hat vor dem Bunker in Urft schon die Bunkeranlegen in Bodenroth und in Linnich gebaut - schließlich war er ein Ass im Flugplatzbau sowie in puncto Schaltanlagen. Klar, dass er auch für die Elektrik in Urft verantwortlich zeichnete.

„Ich war damals ein gefragter Mensch“, lacht der gebürtige Rosenheimer, dem man sein Alter nicht ansieht. „Ich musste täglich 30 mal die 50 Stufen rauf und runter klettern. Da hält fit.“

Und der Mann ist Perfektionist: „Mir war es wichtig, dass immer alles funktionierte. Denn im Kalten Krieg wusste man ja nicht, was alles passieren konnte.“ 1992 sei er dann in den Ruhestand gegangen.

„Die haben das hier schön gemacht“, lobte Innenminister Wolf. „Hier fehlt nur noch das Kassenhäuschen“, witzelte einer der Gäste. Zurzeit wird das Anwesen neben den Garagen, die in den Bunker führen, renoviert. Dort will Claus Röhling nach dem Umbau einziehen.

Innenminister Wolf sprach von einem außergewöhnlichen Ereignis. Immerhin öffne ein Privatmann sein privates Reich für die Allgemeinheit. Man spüre geradezu den „Hauch der Geschichte“ im ehemaligen Ausweichsitz der Landesregierung.

Anschließend schilderte Wolf, dass die Landesregierung NRW zwischen 1962 und 1964 den Ausweichsitz in Urft habe bauen lassen. Die Anlage sei durch eine Doppelgarage und ein Wohnhaus bestens getarnt worden.

1989, mit der Auflösung des Warschauer Pakts, entspannte sich die weltpolitische Lage. „Der Frieden ist eine großartige politische Leistung und es gibt keine ernsthafte Bedrohung“, freute sich Dr. Ingo Wolf. Der Euskirchener betonte, dass alles im Urzustand belassen worden sei - „als ob die Zeit stehen geblieben wäre“. In Richtung Bürgermeister Herbert Radermacher ergänzte der Minister: „Für die Gemeinde Kall ist die Öffnung des ehemaligen Ausweichsitzes eine weitere Attraktion.“

Anschließend dankte er Röhling für das Engagement in Urft. Ein Trompetentusch ertönte und Minister Wolf griff mit Landrat Günter Rosenke, Bürgermeister Radermacher und Röhling zur Schere. Und schwupps, war das „Geheim-Band“ durchtrennt.

Anschließend konnten die ersten drei Gruppen bei kalten 8 Grad die Dokumentationsstätte inspizieren.



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