Von DANIELA GREULICH, 19.08.09, 07:09h
EHRESHOVEN. Wie viele kleine Leute in vielen kleinen Dörfern, die viele kleine Dinge tun, die Welt verändern können - das habe er bei der Ausbildung zum Dorf-Engagement-Moderator erkannt, sagt der Gummersbach-Berghausener Klaus Haine. An sieben Tagen hat Carmen Thomas, Direktorin der Moderationsakademie für Medien und Wirtschaft, elf Ehrenamtliche aus fünf oberbergischen Dörfern vor dem Hintergrund des demografischen Wandels trainiert, um das Engagement der Dorfbewohner und die ländlichen Regionen zu stärken. Motto: Mitmachen statt Maulen - Erkennen statt Pennen.
Das Training mit der Moderatorin hatte das Demografie-Forum Oberberg, ein Zusammenschluss des Kreises und der Kommunen initiiert. Kernzellen der Entwicklung sind immer die Dörfer, sagt Uwe Stranz, stellvertretender Planungsdezernent des Kreises. So entwickelte Carmen Thomas ein Training, das speziell auf die Dorfentwicklung eingeht. Wie bekomme ich die Menschen dazu, miteinander zu reden?, nennt die Moderatorin die entscheidende Voraussetzung, um Netzwerke zu knüpfen. Sachkompetenz sei genauso wichtig wie Kommunikationskompetenz.
So gab sie den künftigen Dorf-Engagement-Moderatoren zahlreiche Methoden an die Hand. Die Ehrenamtlichen lernten zum Beispiel, in einer Minute zehn bis 40 Ideen zu notieren, oder dass Sitzungen nie länger als zwei Stunden dauern sollten - das Zeitlimit motiviere. Mit einer CD, auf einer Seite grün lackiert, auf einer Seite silbern glänzend, lässt sich in einer Gruppe schnell ein Meinungsbild abfragen. Denn nicht um den Einzelnen gehe es, sondern um die Gruppe. Methode tritt an die Stelle von Charisma, sagt Thomas. Das sei beim demografischen Wandel entscheidend. Also: Schlüsselmethoden statt Schlüsselfiguren.
Inzwischen haben wir schon ein ganz anderes Klima im Dorf, freut sich Haine. Mit den neuen Methoden ließen sich bessere Ergebnisse erzielen als mit Vereinsmeierei. In einer Zwölfer-Runde sind bereits erste Ideen entstanden. So sollen im 1200-Einwohner-Ort Berghausen gemeinsame Aktivitäten für Jung und Alt initiiert werden. Denkbar sind etwa gemeinsame Kinogänge nach dem Motto die Jungen fahren die Älteren hin, die Älteren übernehmen den Eintritt. Die Ideenbörse wächst momentan, sagt Haine.
Auch in Oberwiehl erproben Ehrenamtliche ebenso wie in Weiershagen, Wipperfürth-Thier und Schmitzhöhe-Hohkeppel bereits die neuen Methoden. Man könne Zeit sparen, keiner könne sich mehr zurückziehen, hat Petra Jacob festgestellt.
Finanziert haben die Ausbildung der Oberbergische Kreis sowie Sponsoren. Die Kreissparkasse Köln und die Sparkasse Gummersbach-Bergneustadt gaben 9000 Euro. Wir wollen dazu beitragen, dass die Menschen auf den Dörfern wohnen bleiben, sagt Benno Wendeler, Direktor der Regionaldirektorin Oberberg der Kreissparkasse Köln.
Weitere Fortbildungen sind geplant. Meiner Meinung nach ist die Ausbildung modellhaft für ganz Deutschland, sagt Landrat Hagen Jobi über die neuen Multiplikatoren. Neue Impulse im Zusammenleben und der Vernetzung in den Dörfern sollten gesetzt werden. Wir gestalten gemeinsam Zukunft.
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