Von Bianca Pohlmann, 21.08.09, 18:55h, aktualisiert 24.08.09, 12:24h
Ein extremer Fall, sicherlich. Aber er macht die Transparenz von Daten im Internet sowie den einfachen Zugriff Dritter auf diese deutlich. Wer einmal drin ist, kommt oft nur schwer wieder heraus. Und mittlerweile schauen immer mehr Personalchefs nach, was sich im Internet über Bewerber so finden lässt.
Welche Daten stehen im Netz?
Alle Daten, die man ungesichert ins Internet gestellt hat, sind öffentlich und für alle einsehbar. „Wer Daten ins Internet stellt über sich, der muss damit rechnen, das andere diese Informationen auch abrufen. Das sind natürlich die Arbeitgeber, aber es sind nicht nur sie. Es sind möglicherweise auch Versicherungsvertreter, es können auch sogar Vermieter sein.“, sagt Peter Schaar, Bundesdatenschutzbeauftragter.
Wichtig ist es daher, erst einmal zu wissen, was über die eigene Person im Netz zu finden ist. Also einfach den eigenen Namen bei Suchmaschinen eingeben und sich die Treffer ansehen.
Vor allem aber sollten Internet-Nutzer dies regelmäßig tun, rät Susanne Wilberg von der Düsseldorfer Agentur „deinguterruf.de“. Die Online-Reputationsmanagerin beschäftigt sich seit zwei Jahren mit der Transparenz, dem Schutz und der Kontrolle über eigene Daten im Netz - und übernimmt für Kunden die Aufgabe, diese Informationen zusammenzutragen und sie löschen zu lassen.
Wo sind sie gespeichert?
Wichtig ist erst einmal, wer die Daten eingestellt hat. Auf das eigene Profil in einem Netzwerk hat man Zugriff - und eben die Kontrolle, was veröffentlicht wird. Tauchen dort Fotos von der Ballermann-Party oder Anekdoten vom Benehmen bei der Abi-Party mit dem eigenen Namen in Profilen anderer auf, kann man diese bitten, die Daten zu entfernen.
Bei Kommentaren in Blogs oder Diskussionsbeiträgen in Foren wird es schwieriger. Generell werden die Informationen bei den Webseitenbetreibern gespeichert.
Wie kann ich Daten löschen?
Das Löschen ist nicht einfach. Erst einmal muss man die Quelle kennen, also wissen, wo die Informationen gespeichert sind. Das heißt, der Betroffene muss sich an die Webseitenbetreiber wenden. „Im besten Fall gibt es ein Impressum, einen Mitarbeiter, der dafür zuständig und auch noch erreichbar ist“, sagt Wilberg. Nur geht es in den seltensten Fällen so glatt. Sitzt der Betreiber im Ausland, wird es kniffeliger. Hier setzt die Geschäftsidee von Susanne Wilberg an, die diese Aufgabe gegen Gebühr übernimmt.
Wichtig ist auch, dass nicht nur die Daten gelöscht werden - sondern auch Verlinkungen, die zu ihnen führen. So genannte „Cache“-Löschungen sind wichtig, sonst erscheinen die Treffer zumindest eine ganze Weile lang weiterhin in den Suchmaschinen.
Dagegen machen lässt sich nicht viel. „Wenn diese Informationen von den Betroffenen selbst veröffentlicht werden und wenn sie im Internet frei zugänglich sind, dann ist so etwas schwer zu unterbinden“, sagt Schaar. Gegen Diffamierung und Beleidigungen kann natürlich auch online rechtlich angegangen werden.
Wie kann ich mich schützen?
Oberstes Gebot: Sparsamkeit. Man sollte genau nachdenken, was man ins Netz schreibt und ob die abgefragten Daten beispielsweise bei einer Registrierung wirklich notwendig sind.
Zudem sollte man, so der Tipp von Susanne Wilberg, Privates und Berufliches strikt trennen. Alles, was in privaten Netzwerken erscheint, sollte verschlüsselt sein - also nur für einen bestimmten Freundeskreis zugänglich gemacht werden.
Bei den sozialen Netzwerken gibt es Optionen, mit denen man ausschließen kann, in Suchmaschinen gefunden zu werden. Also auch wenn es langweilig scheint: Immer die Datenschutzbestimmungen anklicken und lesen - und gegebenenfalls an der richtigen Stelle den Haken machen. So lässt sich auch vermeiden, dass zum Beispiel die Wunschliste mit bevorzugten Film- oder Buchtiteln beim Online-Händler öffentlich erscheint.
Wer sich an Foren beteiligt oder privat einen Blog betreibt, sollte auf ein Pseudonym zurückgreifen. Dann allerdings auch darauf achten, dass man eine E-Mail-Adresse nutzt, in der nicht der eigene Name auftaucht.
Besser online gar nicht erscheinen?
Keine wirklich gute Alternative. Je nach Beruf kann es nämlich negativ wirken, wenn man im Internet überhaupt nicht zu finden ist. Deswegen „einfach den Spieß umdrehen“, so Susanne Wilberg. Also diejenigen, die einen suchen, schöne Treffer präsentieren und gezielt Informationen verbreiten. In dem man sich beispielsweise in Business-Netzwerken wie Xing oder Linkedln einträgt, seinen Lebenslauf einpflegt, Interessensschwerpunkte hervorhebt, sich bei entsprechenden Diskussionen mit Fachwissen oder kompetenten Beiträgen einbringt. Wichtig aber hier: Man muss sich fürs Netz herausputzen und am Ball bleiben, die Daten aktuell halten.
Zudem sollte man ein hohes Ranking erreichen, sich also Plattformen suchen, bei denen die eigenen Informationen oft gefunden werden. Und wenn man einen Allerweltsnamen hat: rechtzeitig reservieren. Denn gegen Namensvetter gibt es sonst keine Abhilfe.
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22. April 2012,
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