Von Knut Pries, 07.09.09, 21:56h
Wenn man prinzipieller Kriegsgegner ist, der Linken oder den Grünen angehört oder sich wie der afghanische Präsident Karsai und manche EU-Minister in erster Linie Klientel-Stimmungen verpflichtet fühlt, weiß man auch so Bescheid: Schuld hat der Westen, die Nato, die Bundeswehr, Verteidigungsminister Jung. Der Wahlkampf in der Bundesrepublik macht die Urteile nicht solider. Dürftigkeit der Erkenntnis und Schneidigkeit des Urteils stehen hier in besonders krassem Missverhältnis. Überraschend ist das nicht: Das Entsetzen über eine Bluttat ist ein notwendiges Menschengefühl, auch wenn die Leichen verschwunden sind. Die Versuchung, daraus Anklagen gegen Konkurrenten zu basteln, ist Teil der Politik - nicht schön, aber nicht ungewöhnlich.
Misslich und erbärmlich sind hingegen die wechselseitigen Vorwürfe zwischen den Verantwortlichen in der Nato, hier Bundeswehr und Hardthöhe, dort die US-Luftwaffenbasis Bagram und das Isaf-Kommando unter General McChrystal. Das ist mehr als die übliche Scheu, als Schuldiger dazustehen. Es spiegelt eine neue Verwirrung in den Vorstellungen über den Afghanistan-Einsatz. Die Deutschen waren gewohnt, die Amerikaner als waffenfixierte Rabauken zu sehen, von denen man sich als Helfershelfer in Uniform wohltuend unterscheide. Nun hat McChrystal Rücksicht auf die Zivilbevölkerung als strategische Priorität ausgegeben - während die deutschen Soldaten mit der Einsicht kämpfen müssen, dass ihre Mission in fast allem Krieg ist - außer dem Namen.
Das erfordert, so bitter es ist, eine Antwort auf die Frage: Wie hältst du es mit dem Feind? Was ist erfolgreicher Einsatz gegen die Taliban, was unerträgliche Brutalität gegenüber Zivilisten? Also: Zur Beurteilung des Bombardements vom Donnerstag gehört mehr Information, aber auch mehr Klarheit über die Maßstäbe.
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