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Misshandlung im Altenheim

„Herumgeblödelt gegen den Stress“

Von Dieter Sieckmeyer, 08.09.09, 09:47h

Mitarbeiter eines Düsseldorfer Altenheims sollen Senioren misshandelt haben. Videos, die mit dem Handy aufgenommen wurden, bezeugen zahlreiche Quälereien. Angeblich war das Heim personell unterbesetzt und die Taten sollten „zum Stressabbau“ dienen.

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Senioren auf der Straße. (Bild: dpa)
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Senioren auf der Straße. (Bild: dpa)
DÜSSELDORF - Die Szene dauert nur ein paar Sekunden. Eine alte Dame weint bitterlich und schluchzt: „Ich bin geschlagen worden. Vom Chef.“ Dann bricht das Video ab. Ein anderer Film zeigt, wie eine Hand zum Gesicht einer krebskranken Frau geht und der Daumen auf eine offene Wunde drückt. Im Hintergrund hört man eine männliche Stimme, die sich darüber auch noch lustig macht.

Das sind nur zwei der schrecklichen Szenen, die gestern vor dem Schöffengericht gezeigt wurden. Angeklagt sind ein 49-jähriger stellvertretender Wohnbereichsleiter eines Seniorenzentrums und eine 29-jährige Altenpflegerin.

Von Oktober 2006 bis zum Juli 2007 sollen Insassen immer wieder misshandelt worden sein. Die Anklage der Staatsanwaltschaft liest sich wie das Drehbuch zu einem Horror-Video. Das fanden auch die Beteiligten. Wie die Anklagte Petra K. (Name von der Redaktion geändert) berichtete, haben die Pfleger von den Szenen „Filmchen“ gedreht, die auch getauscht wurden. Man habe sich sogar „gegenseitig angestachelt“, wenn es um neue Videos ging.

Die Vorwürfe: Einer 96-Jährigen soll der 49-Jährige bewusst in die offene Wunde gedrückt haben, um ihr Schmerzen zuzufügen. Ein 71-Jähriger soll mit einem kalten Schlauch abgespritzt worden sein. Als der Mann sich beschwerte, soll der Satz gefallen sein, er habe es nicht besser verdient. Ein 76-jähriger Wachkoma-Patient soll beim Wiegen so schwer verletzt worden sein, dass er sich fast den Arm gebrochen hätte. Eine 95-jährige Frau soll samt Matratze gegen die Wand geklappt worden sein, weil sie geschrien habe. Eine 96-jährige Patientin soll geschlagen worden sein. Zwei Tage später war die Frau tot.

Wie Petra K. erklärte, sei das Personal überlastet gewesen. Ursprünglich seien für die 36 Patienten auf den Stationen 3 A und B vier Pflegekräfte verantwortlich gewesen. Oft seien aber nur zweieinhalb Stellen besetzt gewesen, weil sich zwei Mitarbeiter fast ständig krank gemeldet haben sollen. Schließlich habe man mit den Patienten „herumgeblödelt“, offenbar um den Stress abzubauen. Aus solchen Situationen seien die Videos entstanden. Plausibel erklären konnte die 29-Jährige allerdings nicht, warum sie die Filme mit dem Handy aufgenommen hat. Der Prozess wird am 28. September mit weiteren Zeugen fortgesetzt.



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