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Beim Schmieren der Butterstulle

Von DÖRTE STAUDT, 09.09.09, 07:09h

„Es ist oftmals nur ein kleiner Gedanke, eine flüchtige Idee, ein Bild, das im Kopf ist und einen nicht mehr loslässt. Vielleicht ausgelöst durch eine Butterbrotstulle, die...

TROISDORF. „Es ist oftmals nur ein kleiner Gedanke, eine flüchtige Idee, ein Bild, das im Kopf ist und einen nicht mehr loslässt. Vielleicht ausgelöst durch eine Butterbrotstulle, die man schmiert oder eine tote Nacktschnecke im Garten“, schreibt die Bilderbuchautorin Antje Damm.

Sie ist eine von 15 Künstlern, deren Bücher zu den prägendsten Exemplaren des Moritz-Verlages geworden sind. Und die deshalb gebeten wurden, zu dessen 15-jährigem Bestehen und der begleitenden Jubiläumsausstellung im Troisdorfer Bilderbuchmuseum ein kleines „Statement“ abzugeben. Eine kurze Erklärung über den Schaffensprozess des Schreibens und Illustrierens aus der einen Hand, die ein Buch so besonders stimmig werden lassen.

„Wenn ich eine Figur erfinde, muss ich sie zunächst zeichnen, damit ich sie kennen lerne und sie ihr Leben lebt“, erklärt dazu die Künstlerin Nadja, deren „Blauer Hund“ schon seit zwei Jahrzehnten zu den bekanntesten französischen Bilderbüchern gehört und dank des „Moritz Verlags“ auch in Deutschland Furore gemacht hat. Dessen Gründer Markus Weber findet, „Bilderbücher müssen so interessant sein wie Computerspiele, wie der Kinderkanal oder die Eisdiele nebenan“. Sein Verlag ist nach wie vor ein sehr kleiner Verlag und wurde bis vor kurzem von ihm als Ein-Mann-Betrieb „bis zum Raustragen des Altpapiers“ allein geführt. Nur so, schildert er das Büchermachen, nur ohne einen großen Apparat und ohne Personalkosten stemmen zu müssen - einige Abläufe unternimmt er „Huckepack“ mit dem größeren Verlag Beltz - habe er sich leisten können, Bücher aufzulegen, deren Verkaufszahlen immer auch ein Wagnis sind. Und die deshalb so auffallend mutig sind, sich von der Einheitsware im Kaufhaus schon auf den ersten Blick unterscheiden. Mehrfach, etwa mit der Frage der Schwedin Pernilla Stalfelt „Was kommt nach dem Tod“ und deren derb illustrierten Antworten, hat Markus Weber den Erfolg eines Buches erlebt, dem selbst Fachleute ein Schicksal als Ladenhüter vorausgesagt hatten. Warum das so ist, lässt sich im Bilderbuchmuseum sehr schön an den Originalen dieser 15 ausgewählten „Moritz“-Künstler sehen. Und in einem Katalog erblättern, der neben den kurzen Texten wunderbare Beispiele zeigen. Immer lesend übrigens sind die Wesen der so unterschiedlichen Bilderbuchmacher zu sehen: Vom schmökernden Krokodil in der Badewanne eines Philippe Corentin bis zur Vorleserin im goldenen Licht von Thé Tjong-Khing aus Indonesien oder der klitzekleinen Lesemaus des Yvan Pommaux. Nur der „Blaue Hund“ auf dem Vor- und Rückblatt, der liest nicht. „Aber der gehört einfach dazu“, meint Markus Weber. Da hat er Recht.

Die Ausstellung „Aus einer Hand - 15 Jahre Moritz-Verlag“ ist bis zum 4. Oktober im Troisdorfer Bilderbuchmuseum Burg Wissem zu sehen. Der Katalog kostet 15 Euro.



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