Erstellt 15.09.09, 07:00h
Schon deshalb, weil derart viele Zeitgenossen nicht so ohne weiteres eine bis zu vierstündige Wartezeit auf sich nehmen würden.
Was es mit Nutzen und Gefahren solcher Spiele wirklich auf sich hat, darüber informierte jetzt das Adolf-Grimme-Institut im Rahmen der Initiative Eltern und Medien in den Räumen des Angela-Gymnasiums. Markus Wiemker, Soziologe, Psychologe und freiberuflicher Game-Designer, brachte die knapp zwei Dutzend Besucher in puncto Computer-Spiele zunächst einmal auf Ballhöhe.
Schulleiter Theo Spillutini hatte zuvor darauf hingewiesen, er habe den Eindruck, dass viele Eltern überhaupt nicht ahnen, was ihre Sprösslinge am Computer tun.
Das bestätigten auch einige Eltern: Man hat die Entscheidung nicht mehr, es ist außer Kontrolle geraten. Doch was sollen wir tun, wenn wir Computer-Verbote aussprechen, gehen die Kinder einfach zu Freunden, klagten einige in der Runde.
Alle Anwesenden waren davon überzeugt, dass Computerspiele gefährlich seien und süchtig machten. Dass man dabei auch etwas lernen kann, dieser Meinung waren deutlich weniger Eltern.
Seinem Referat stellte Wiemker deshalb Grundsätzliches voran: Spielen sei so notwendig für das menschliche Leben wie auszuruhen. Das habe schon Thomas von Aquin im 13. Jahrhundert festgestellt. Der griechische Philosoph Platon (427 - 347 v. Chr.) habe schon viel früher angemerkt, dass man einen Menschen beim Spiel innerhalb einer Stunde besser kennenlerne, als im Gespräch während eines Jahres, so Wiemker.
Es sei fraglich, ob der Computer schuld daran sei, dass man sich heute immer weiter von einer Print-Gesellschaft fortbewege.
Grundsätzlich seien Computerspiele nicht schlecht, es komme halt immer auf den Inhalt an. Fünf Prozent der Spiele hätten aber problematische Inhalte.
Sehr aufwändige
Kontrollsysteme
Die Computerspiele werden von vier fest angestellten und 52 ehrenamtlichen Kräften der UnterhaltungssoftwareSelbstkontrolle (USK) überprüft. Obwohl die Mitarbeiter die einzelnen Spiele komplett durchspielen müssen, haben sie im Jahr 2006 genau 2600 geprüft. Eine Sisyphus-Arbeit, wenn man bedenkt, dass jährlich weltweit 10 000 Neuerscheinungen auf den Markt kommen. Dennoch habe Deutschland, so der Experte, das aufwändigste Kontrollsystem, wobei die USK für CDs und DVDs, die Länder für Online-Angebote zuständig seien. Durchschnittlich bekämen vier Prozent der Spiele keine Jugendfreigabe. Wie es in der Praxis im Verkauf gehandhabt oder durchgesetzt werde, sei eine andere Sache.
Unbedingt sollten Eltern die Alterskennzeichnung der USK kennen. Die richte sich nämlich nicht nach pädagogischen Erwägungen, sondern nach der strafrechtlichen Relevanz. Da nahezu die Hälfte der Spiele keine Kennzeichnung habe, dürften sie theoretisch schon von Dreijährigen gespielt werden. In diesem Zusammenhang nannte Wiemker die Namen von Spielen, die derzeit kontrovers diskutiert werden. Das Thema Spielesucht und das von einem Hersteller konzipierte System einer virtuellen Fantasie-Welt, in der man sich Gruppierungen anschließe, aber bei nicht regelmäßigem Spiel ausgeschlossen werde, wird uns die nächsten Jahre begleiten. Den Eltern empfahl Wiemker, die richtigen Spiele zu kaufen. Infos gebe es beim NRW-Spiele-Ratgeber. Wichtig sei auch ein Zeitlimit zu setzen. Notfalls müsse der Zugang zu Spielen auch verboten werden.
Übrigens zeichnet sich laut Wiemker ab, dass das Durchschnittsalter der Computer-Spieler steige. Gleiches gelte auch für den Anteil der Mädchen und Frauen. (vgt)
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