Von Dieter Brockschnieder, 17.09.09, 11:48h
Während am frühen Nachmittag die zwei Manager des World Conference Center Bonn (WCCB) nach ihrer Festnahme im Saal 2.05 des Amtsgerichts von Staatsanwälten vernommen wurden, forderten gestern die Grünen den Rücktritt von Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann (SPD). Dies wollen sie heute in einer Sondersitzung des Stadtrates beantragen.
Wie berichtet, hatte die Staatsanwaltschaft Bonn am Dienstag im Zusammenhang mit den undurchsichtigen Abläufen bei der Finanzierung des 200 Millionen Euro teuren WCCB ein Ermittlungsverfahren gegen zwei Geschäftsführer verschiedener am Bau beteiligter Firmen und einen Geschäftsführer und Gesellschafter der WCCB Management GmbH eingeleitet. Der Vorwurf: Verdacht des Betruges zum Nachteil der Stadt Bonn, Untreue zum Nachteil von Gesellschaften sowie Bestechung und Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr.
Mit neuen Beweismitteln zum AmtsgerichtDurchsucht wurden 14 Objekte in Bonn sowie in Berlin, wo einer der WCCB-Geschäftsführer sein Büro hat. Er wurde ebenso verhaftet wie der Gesellschafter der Betreibergesellschaft WCCB-Management GmbH. Die teilte inzwischen mit, gegen sie werde nicht ermittelt.
„Wir setzen unsere Tätigkeit für den Betrieb und die Vermarktung des Kongresszentrums und des Hotels wie geplant fort“, hieß es bei der Betreibergesellschaft. Einer ihrer beiden Chefs aber musste sich gestern Abend Fragen der Staatsanwälte stellen, die sich in der Vernehmung ablösten und mit immer neuen Beweismitteln von der Staatsanwaltschaft zum Amtsgericht fuhren. Der zweite Verdächtige hatte zuvor mehr als drei Stunden ausgesagt.
Unterdessen wird die Luft für OB Dieckmann dünner. Die Grünen wollen, dass sie „die politische und persönliche Verantwortung für das Missmanagement der Bonner Stadtverwaltung beim WCCB“ übernimmt und sofort zurücktritt. Über diesen Antrag soll heute Abend in einer vor wenigen Wochen anberaumten Sondersitzung des Stadtrates zum Kongresszentrum abgestimmt werden. Offen, nicht geheim. CDU-Fraktionsgeschäftsführer Georg Fenninger sagte, seine Fraktion werde erst heute kurz vor der Sitzung (Beginn: 19.30 Uhr im Ratssaal des Stadthauses) über die Forderung der Grünen beraten. Sein Parteichef Axel Voss hat indes bereits vorgelegt. Am Dienstag erklärte er, die politische Verantwortung für die Geschehnisse um das WCCB trage die OB. Der Kreisvorsitzende: „Vielleicht wäre jetzt der richtige Zeitpunkt, bereits den gewählten Nachfolger ans Ruder zu lassen, von dem man sich klare Worte wünschen könnte.“
Unterdessen wurde bekannt, dass das Beratungsunternehmen Pricewaterhouse Coopers (PWC), das am 9. September als neuer Projektleiter für das WCCB vorgestellt worden war, diese Aufgabe wohl doch nicht wahrnehmen wird. Grund: Die Staatsanwaltschaft habe alle Akten mitgenommen. OB Dieckmann will sich zu der Rücktrittsforderung erst heute im Rat äußern. (EB / dpa)
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