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Mit viel Selbstbewusstsein nach Berlin

Von UTA KRISTINA MAUL, 29.09.09, 07:18h

Mit einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein ist der alte und neue Bonner SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrich Kelber gestern nach Berlin geflogen. Wenn der designierte...

BONN. Mit einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein ist der alte und neue Bonner SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrich Kelber gestern nach Berlin geflogen. Wenn der designierte Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier voraussichtlich heute seine Vertreter benennt, will Kelber dazugehören. „Ich will stellvertretender Fraktionsvorsitzender bleiben“, kündigte der 41-Jährige gestern Vormittag an, als er gemeinsam mit Parteichef Ernesto Harder im Poppelsdorfer SPD-Haus erste Wahlanalysen betrieb.

Trotz der „heftigen Klatsche bei den Erst- und Zweitstimmen“ (Harder) ist Kelber stolz, seinen CDU-Herausforderer Stephan Eisel mit 2,2 Prozentpunkten übertrumpft und den traditionellen Adenauer-Wahlkreis 97 Bonn zum dritten Mal in Folge direkt geholt zu haben (Rundschau von gestern). „Ich habe einen guten Job in Berlin und im Wahlkampf gemacht“, sagte Kelber, „und trete in Berlin mit breiter Brust auf.“ Bislang seien Umwelt, Energie, Verbraucherschutz, Landwirtschaft, Ernährung und Nachhaltigkeit seine Themen gewesen, „Wirtschaft würde ich auch machen“ - anders als bislang aber in der Opposition. Wahrscheinlich werde Steinmeier die Zahl von bisher neun stellvertretenden Fraktionschefs reduzieren; für seine Kandidatur sieht Kelber aber „keine direkte Konkurrenz“, zumal er mit dem Bonner Wahlkreis einen der kompliziertesten gehalten habe.

Mehr Erststimmen zu mobilisieren, als die eigene Partei an Zweitstimmen bekommt, „so gewinnt man ein Direktmandat“, sagte Kelber, der sicher ist, auch von Wählern der Grünen, der Linken und der Piratenpartei Stimmen bekommen zu haben. Dass Eisel verlor, ist für Kelber auch Ergebnis einer Personenwahl; im Übrigen habe sich der Christdemokrat mit seinem „Rufmordversuch“ wegen Spenden der Solarworld AG an ihn, Kelber, „keinen Gefallen getan“.

Selbstbewusst geht der SPD-Mann auch seine weitere Parteikarriere an. Beim Bundesparteitag Mitte November in Dresden will er in Nachfolge der Bonner Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann für den Bundesvorstand kandidieren, dem mit dem Europapolitiker Martin Schulz bereits ein „rheinischer Mann“ angehöre. Mit ihm selbst einen zweiten aus dem Rheinland durchzuboxen, werde allerdings nicht einfach.

Ein „Spaziergang“ dürfte es für die Genossen wohl auch nicht werden, sich aus den historischen Verlusten bei Europa-, Kommunal- und Bundestagswahl wieder herauszuarbeiten. „Die SPD befindet sich bundesweit im Jammertal. Auch wir als Bonner SPD werden einen Beitrag zum Neuanfang leisten müssen“, sagte Harder gestern. Daher werde die Partei alle Bonner Wahlkämpfe und Ergebnisse genau analysieren, um Konsequenzen ziehen zu können. Zum zweiten gelte es nun, die Landtagswahl am 9. Mai 2010 vorzubereiten - das Ziel: in beiden Bonner Wahlkreisen die Abgeordneten zu stellen. Renate Hendricks wolle sich Ende November wieder als Kandidatin im Wahlkreis 30 Bonn II aufstellen lassen, so Harder, für den nördlichen Wahlkreis nannte er noch keinen Namen.

Für den neuen Stadtrat wünscht Harder sich eine Zusammenarbeit mit Grünen und FDP - also die klassische Ampel.



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