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Bibelübersetzer

Vom Buch beflügelt

Von Thomas Linden, 29.09.09, 21:08h

Am Dienstag treffen sich Bibelübersetzer in den deutschsprachigen Literaturhäusern. Unter dem Stoßseufzer „Heiliger Hieronymus, hilf!“ informieren Kölner Übersetzer über die eigenbrötlerische Natur dieser kreativen Spezies.

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Übersetzer des "Heiligen Buches" stellen ihre Arbeit vor. (Symbolbild: dpa)
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Übersetzer des "Heiligen Buches" stellen ihre Arbeit vor. (Symbolbild: dpa)
KÖLN. Der Heilige Hieronymus mochte in seinen jungen Jahren keine Ausschweifung ungekostet an sich vorüberziehen lassen. Dann jedoch zog er sich vollkommen von der Welt zurück, um sich nur noch seiner Aufgabe als Bibelübersetzer zu widmen. Heute, (20 Uhr), am Tag ihres Schutzheiligen, treffen sich die Übersetzer in den deutschsprachigen Literaturhäusern. Unter dem Stoßseufzer „Heiliger Hieronymus, hilf!“ geben die Kölner Übersetzer Andrea Fischer, Kristian Lutze und Jürgen Bürger Auskunft über die eigenbrötlerische Natur dieser kreativen Spezies.

„Ja, es gibt Kollegen, die nichts mehr mit der Welt zu tun haben wollen“, erklärt Jürgen Bürger. „Wenn es gut läuft, ist man so beschäftigt, dass nicht mehr die Zeit bleibt, ein paar Brötchen zu holen. Man muss dabei aber aufpassen, dass man nicht den Kontakt zum Lebensrhythmus der anderen Menschen verliert“, fügt er hinzu. Jürgen Bürger lebt seit über 30 Jahren in Köln, er gilt als einer der erfahrenen Vertreter seiner Zunft. Zahlreichen amerikanischen und englischen Autoren hat er eine unverwechselbare deutsche Stimme gegeben, wie etwa Jerome Charyn, Larry Beinhardt, James Sallis, Pete Dexter oder jetzt Philip K. Dick.

Mit dessen soeben in der Verlagsbuchhandlung Liebeskind erschienenen Roman „Unterwegs in einem kleinen Land“ (400 S., 22 Euro) gelingt Jürgen Bürger und seiner Ko-Übersetzerin Kathrin Bielfeldt ein Meisterstück.

Bloß keine heutige Umgangssprache

Der Roman spielt 1952 und erzählt von zwei Ehepaaren - die Männer Geschäftsleute - die sich kennen lernen, während sie ihre Kinder ins Internat bringen. Eine Affäre beginnt. Dicks Roman lässt sich nicht alleine den Büchern von Richard Yates und Robert Coover an die Seite stellen, passagenweise wirkt seine Prosa sogar schärfer und mutiger in ihrem Detailrealismus. Bürger gelingt das Kunststück, uns den Eindruck zu vermitteln, als würden die Ehepaare so fühlen und reagieren,als seien sie Menschen von heute, zugleich bewegen wir uns aber mit ihnen wie in einem Film der fünfziger Jahre. „Eigentlich sprachen die Leute nach dem Krieg wie heute, nur fehlten die Anglizismen“, erklärt der 55-Jährige, um dann freilich einzuräumen: „Natürlich durfte ich keine aktuelle Umgangssprache benutzen und musste sie auch anders fluchten lassen als heute.“

Bürger erinnert sich, dass er Philip K. Dick, der lange Zeit nur für seine Science-Fiction-Literatur Bekanntheit genoss und die Vorlagen zu den Kinoklassikern „Blade Runner“ und „Minority Report“ lieferte, schon als Jugendlicher bewunderte. „Wenn ein Autor gut schreibt, dann nimmt er den Übersetzer mit. Eine Übersetzung ist eine Wiedererzählung in einer anderen Sprache. Es kommt deshalb nicht so sehr darauf an, wann etwas geschrieben wurde, sondern wie es geschrieben ist und die Eigenheiten der Figuren ebenso stimmen wie die Zeit.“ Wobei Bürger die Liebesszenen in Dicks Roman besonders gut gelingen. Eine umso größere Qual ist für ihn ein schlechtes Buch. „Wenn die Erzählung nicht stimmt und Dialoge unmöglich klingen, dann wird es schwer, und man schaut jeden Morgen auf einen Papierstapel, der nicht kleiner wird.“ Dicks Roman ging ihm dagegen wie im Rausch von der Hand, wie er lachend gesteht.

Die Veranstaltungwird von Denis Scheck moderiert. Literaturhaus Köln, Schönhauser Str. 8.



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