Von LUTZ BLUMBERG, 01.10.09, 07:18h
Rund 400 Drogensüchtige in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis werden derzeit noch über einen Notfallplan mit Methadon versorgt. 120 sollen ab heute in der Ambulanz in Duisdorf eine neue Anlaufstelle haben. Caritas, Diakonie und Landschaftsverband haben sie eingerichtet.
Die Eltern der katholischen Grundschule fühlen sich vor den Kopf gestoßen. Wir stehen unglaubliche Sorgen und Ängste aus, sagt Simone Kröger von der Schulpflegschaft. Die Ambulanz sei eingerichtet worden, ohne dass Eltern oder Anlieger im Vorfeld informiert worden seien. Die Nachbarschaft habe erst von der Eröffnung erfahren, als die Träger Vertreter der Gewerbegemeinschaft Hardtberg dazu eingeladen hätten.
Der Standort ist sehr sorgfältig gewählt worden, sagt Caritassprecherin Mechthild Greten und verweist auf enge Abstimmung mit Stadt und Polizei. So gebe es in Duisdorf mit der Regionalbahn eine direkte Anbindung an den linksrheinischen Kreis.
Allerdings liegt die Ambulanz nahe an Rochusschule, Ludwig-Richter-Schule, Helmholtz-Gymnasium und Berufsschule. Zu den Stoßzeiten werden unsere Kinder mit den Süchtigen die gleiche Bushaltestelle nutzen, so Kröger. Grundsätzlich seien die Elternvertreter nicht gegen die Ambulanz, betont sie.
Zu einer Versorgungslücke kam es Anfang Februar, als eine Arztpraxis in der Bonner Innenstadt geschlossen wurde (die Rundschau berichtete). Der Arzt hatte weit mehr Süchtigen den Ersatzstoff verschrieben, als er überhaupt durfte. 200 Süchtige wurden dann in einer schnell eingerichteten Praxis in der LVR-Klinik versorgt, um 200 weitere kümmerten sich andere Sozialträger kurzfristig. Dieses Provisorium soll mit der neuen Ambulanz entspannt werden. Zumal viele Abhängige nicht aus Bonn, sondern dem Kreis stammen. Das habe eine Analyse der Patientendaten aus der Notfallsubstitution ergeben, heißt es in einer Vorlage der Stadt für den jüngsten Sozialausschuss. Mit der Ambulanz in Duisdorf müssten die Methadon-Pendler nicht mehr ins Zentrum.
Die Eltern der Rochusschüler fühlen sich indes nicht ernst genommen: Auf unsere Briefe hat die Caritas nicht reagiert, so Kröger. Die Träger nähmen die Sorgen der Eltern sehr ernst, sagt Greten und verweist auf eine Infoveranstaltung für Eltern und Anwohner am 4. Oktober. Vier Tage, nachdem die Ambulanz ihre Arbeit aufgenommen hat.
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