Von DANIELA MARTINAK , 05.10.09, 07:00h
Das soll uns ruhig stimmen und zum Zuhören animieren, hat ein Besucher schnell erkannt. 20 Leute hatten sich eingefunden, um der Lesung des bekannten Literaturprofessors Bernd Jentzsch beizuwohnen. Mit der 122-bändigen Reihe Poesiealbum, die mehr als 5,5 Millionen Mal in 22 Ländern verkauft wurde, und seinen Gedichten, die in 16 Sprachen übersetzt worden sind, ist er laut Infoblatt des Theaters aus der Literaturgeschichte kaum noch wegzudenken. Jentzsch habe mehr als 40 Dichter der europäischen Moderne übersetzt und bisher 66 Bücher veröffentlicht. So habe der Berliner mehrere Auszeichnungen - unter anderem den Eichendorffer Literaturpreis - erhalten. Nachdem er erst in Berlin und dann in Zürich wohnhaft war, zog er 1989 nach Flamersheim. Von Zürich nach Flamersheim - das ist jetzt nicht böse gemeint - ist wie: vom Himmel in die Hölle, lachte Jentzsch. Wir haben wieder einmal Grund, auf einen Gastauftritt stolz zu sein, freuten sich die Betreiber des Kulturhauses Christiane Remmert und Jojo Ludwig. Die beiden waren allerdings nicht nur für den Gastauftritt selber zuständig, sondern sorgten mit schauspielerischem Akzent auch immer wieder für Abwechslung im Programm.
Während Jentzsch Abschnitte seiner Bücher vortrug, tauchten Remmert und Jojo Ludwig zwischendurch als Gabriele Lautenschläger-Schnallenberg (Schnalle) und Manfred Muffel auf und behandelten das Thema des Abends Tag der deutschen Einheit auf ihre Art und Weise. Zu Beginn wurde aber erstmal Jentzsch dem Publikum vorgestellt. Der junge Mann wohnt seit 1989 in Euskirchen. So jemand gehört nach Rom oder New York. Jentzsch selber trug erst einmal Gedichte und Tagebucheinträge aus dem Jahr 1990 vor. Als ich am Fluss des Lebens schwamm, stieß ich mit dem Staat zusamm.
Von Anfang an hätte man eine Stecknadel fallen hören können. Wie gebannt starrten die Zuhörer den Vorleser an und wäre nicht hier und da ein kleiner Lacher nötig gewesen hätte man kaum gewagt zu atmen. Ergreifend unter anderem die Geschichte eines Kindes, welches sich wünschte, auf eine bestimmt Schule gehen zu dürfen. Der Direktor war Moritz Nestler. Die Eltern haben gesagt er sei verreist. Erst später, als das Kind erwachsen war, wusste es wohin die Reise gegangen war: ins Zuchthaus nach Bautzen.
Oder die Geschichte Manöver Schneeflocke, in der die Erzieher die Kinder in Gut und Böse aufteilten. Die Bösen - hinter dem Brandenburger Tor - sollten von den Guten totgeschlagen werden. Streng verlief der Abend aber ganz und gar nicht. Jentzsch lockerte die Stimmung immer wieder mit kurzen, lustigen Gedichten und Anekdoten auf. Jetzt habe man einen ganz anderen Eindruck über den Tag der Einheit, war aus dem Publikum zu hören.
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