Von Milena Reimann, 04.10.09, 21:27h, aktualisiert 05.10.09, 13:19h
„K.o. erst bei Kilometer 42“, schreibt sich „Boxer“ Gerd Mausbach auf die Brust. Als Tarzan und als Indianer gewann er schon in den Vorjahren, sein diesjähriges Kostüm hat aber eine ganz persönliche Geschichte: Im Dezember 2008 wurde der 52-Jährige am Knie operiert. „Ich dachte, ich könnte nie wieder einen Marathon laufen, aber ich habe mich durchgeboxt“, erklärt er den Ursprung seiner Kostümidee. Dafür kam der Vogelsanger nicht nur mit einem blauen Auge, sondern auch mit einem 100 Euro Fluggutschein davon - wie alle anderen Gewinner.
Etwas ruhiger geht Kerstin Führmann die 42,195 Kilometer an: Als selbst ernannte „Schlafmütze“ schwebt sie in weißem Gewand und Bommelmütze ins Ziel. „Ich habe heute Morgen gedacht, ich ziehe mich einfach nicht um“, scherzt die 38-Jährige. Weil ein Freund kurzfristig krank wurde, ist die Essenerin vom „Maya und Willy“-Bienenkostüm auf das Schlafkleid umgestiegen. „Gestern Abend habe ich dann noch schnell die Mütze genäht.“
Grün vor Neid ist Markus Bebber deswegen nicht. Mit seinem „Hulk“- Kostüm gibt er den grünen Giftriesen und überzeugt die Jury. Um halb sieben ist er an diesem Morgen aufgestanden, um sich von seiner Frau von Kopf bis Fuß mit Farbe einpinseln zu lassen. „Meine Frau war schon leicht gereizt“, erzählt der 34-Jährige. Zu seinem vorerst letzten Marathon - „mit über 100 Kilo Körpergewicht sollte man nicht so viel laufen“ - geht es in zerrissenen Jeans und mit freiem Oberkörper auf die Strecke.
Viel Herzblut steckt im Kostüm von Berthold Jungk. Als „Kölsches Hätz“ läuft er ins Ziel ein. Was viele nicht erkennen: Der 54-Jährige trägt einen Trauerflor. „Ich war beim Lauf gedanklich beim Stadtarchiv“, erzählt der Worringer. Nach dem Einsturz im März ist er auf die Idee gekommen. „Ich habe überlegt, was Köln ausmacht.“ Das hat er auf seinem selbst gemachten Herzkostüm niedergeschrieben.
Mit Schirm, Charme und Melone gewinnt auch Roland Vieregg: Als Charley Chaplin watschelt der 59-Jährige die letzten Meter ins Ziel. „Ich laufe immer kostümiert, ich liebe den Künstler Chaplin und gerade dieses Kostüm kommt beim Publikum gut an“, erklärt der Franzose. Denn warum sich manche Läufer beim Köln Marathon so in Schale schmeißen, weiß er genau: „Wenn man verkleidet läuft, wird man vom Publikum ins Ziel getragen.“
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