Von FRITZ-PETER LINDEN, 14.10.09, 07:00h
Scheuers Lektor Martin Hielscher nimmt es nicht ganz so leicht: Nach der Verleihung des Preises an Kathrin Schmidt sinniert er - zum Glück nur im Scherz - ob er sich nicht doch in den Main stürzen soll. Genau, sagt Scheuer und lacht: Und ich spring hinterher und rette Dich! Scheuer kommt bislang gut zurecht mit dem Trubel um seinen Roman Überm Rauschen und die Buchpreis-Nominierung. Das einzige Problem habe ich damit, das mit der Arbeit zu koordinieren. Aber es geht alles noch. Natürlich, es ist ein bisschen hektischer geworden. Obwohl ich versuche, mich davon abzuschotten. Und da er nun den Preis nicht erhalten habe, werde er auch nicht jeden Tag auf der Buchmesse in Frankfurt sein. Ausnahmen: die SWR-Sendung Literatur im Foyer und das Messen-Wochenende. Dann fahre ich wieder zurück in die Eifel, sagt er und klingt, als sei ihm das ganz recht. Eigentlich möchte ich, dass alles so bleibt, wie es ist. Dass das nur so eine Art Strohfeuer ist.
Die Literatur, sagt Scheuer, läuft von einer Saison zur nächsten. Du hast ein Buch, stehst eine Zeit lang im Fokus, und dann verschwindest du wieder. Das empfinde ich als angenehm. Und nur so könne er das auch aushalten. Scheuer glaubt übrigens nicht, dass er - und dafür wird ja der Buchpreis verliehen - den besten Roman des Jahres geschrieben hat: Keine Sekunde denke ich das. Ich denke, dass das beste Buch des Jahres irgendwo im Verborgenen liegt, und keiner kriegt es mit. Es verbiete sich ohnehin, Vergleiche anzustellen: Wenn ein Buch überhaupt irgendetwas ist, dann der spezielle Ausdruck der Lebenserfahrung eines bestimmten Individuums. Von daher kann man sie eigentlich nicht vergleichen.
Sein Roman hat dem Autor, wie auch die früheren Bücher, in nahezu allen Rezensionen höchstes Lob eingebracht. Nahezu - denn jetzt erfährt er erstmals, dass das auch ganz anders sein kann: Der Freitag mäkelte, die taz verpasste ihm einen halben Prankenhieb, der Spiegel holte vorige Woche unter der Überschrift Die Anglerlateinstunde die Kitschkeule raus. Das war wirklich eine volle Breitseite, sagt Norbert Scheuer und klingt irgendwie dennoch amüsiert. Er ist ohnehin drüber hinweg: Es trifft mich nicht. Ich sag mir einfach, der hat ne Fischphobie. Ein Mann bleibt gelassen, Buchpreis oder nicht - zu recht, findet Juror Martin Lüdke : Allein schon die Nominierung ist ein Riesenerfolg. Damit steht er in der ersten Riege der deutschen Gegenwartsautoren. Eine weitere Bestätigung dafür liefert ausgerechnet Michael Krüger , der Verleger der frisch gebackenen Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller . Er habe Überm Rauschen begeistert gelesen, sagt der Chef des Hanser-Verlags: Ein sehr schönes Buch. Der Hanser-Verlag habe vor Jahren beinahe Scheuers Steinesammler herausgebracht. Aber irgendwie sei es dann doch nicht dazu gekommen. Macht nichts - denn Scheuers erster, seit langem vergriffener Roman wird bald wieder zu haben sein. Der C.H. Beck-Verlag, in dem Scheuers drei jüngsten Bücher erschienen sind, hat die Rechte am Steinesammler erworben. Das Buch soll demnächst, zusammen mit Flussabwärts und Kall, Eifel als Eifel-Trilogie neu herausgebracht werden.
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Rundschau zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige
22. April 2012,
E-Werk Köln
Kfm. Umschulungen + Seminare in Köln
Holzspielzeug gesucht, gefunden, geliebt