Erstellt 19.10.09, 21:10h
Mr. O'Barry, inwieweit fühlen Sie sich als ehemaliger Tiertrainer der Fernsehserie „Flipper“ für das Schicksal der gefangenen Delfine persönlich verantwortlich?
Durch „Flipper“ ist die Multi-Milliarden-Industrie der Delfinarien erst entstanden. Davor wurden Delfine nicht in diesem Größenmaßstab gefangen gehalten. In Guatemala, Haiti, Kolumbien oder Brasilien werden sie auch oft gefangen gehalten, um mit Touristen zu schwimmen - und diese Menschen sind von „Flipper“ beeinflusst worden. Ich fühle mich dafür persönlich verantwortlich, aber ich operiere heute nicht mehr aus einem Schuldgefühl heraus. Delfine zu retten - das ist einfach mein Job.
Was ist das Besondere an Delfinen? Wodurch unterscheiden Sie sich von anderen Tieren?
Wir haben bisher noch von keinem anderen Tier aus der Wildnis gehört, das herbei kommt, um einem Menschen das Leben zu retten. Von Delfinen sind einige solche Fälle belegt. Beim Menschen würde man von Altruismus sprechen.
Und was ist der größte Mythos, den die Menschen sich von Delfinen gemacht haben?
Dass sie es mögen, in einem Schwimmbecken irgendwelche Tricks für Menschen vorzuführen. Den Mythos haben Firmen wie „Seaworld“ erschaffen, die allein in Amerika zwei Milliarden Gewinn mit Delfin-Shows machen. Dort wird so getan, als ob die Delphine sich freiwillig für diesen Job gemeldet hätten.
Stehen Sie aufgrund Ihrer Befreiungsaktionen oft vor Gericht?
Ich habe ein Gerichtsverfahren nach dem anderen, aber ich habe noch nie einen Prozess verloren. Bei dem nächsten Prozess geht es um eine 400 Millionen Dollar schwere Anklage, weil ich versucht habe, den Transport von Delfinen von Japan in die Dominikanische Republik zu verhindern. Der Kläger ist übrigens ein Deutscher, dem Delfin-Vergnügungsparks in der Dominikanischen Republik und auf den Bahamas gehören.
Sie machen sich durch Ihre Arbeit angreifbar. Haben Sie manchmal Angst?
Die gerichtlichen Klagen sind unangenehm, aber nicht gefährlich. Angst habe ich nur in Japan und zwar vor der dortigen Mafia. Wenn man in einer kleinen Stadt in Japan ein Problem hat, dann ruft man nicht die Polizei, sondern die Jakuza. Das ist eine reale Gefahr, genauso wie ein betrunkener Fischer in Taiji, der nicht mehr weiß, was er tut.
Glauben Sie, die Internationale Walfang-Kommission wird durch diesen Film das Fangverbot auch explizit auf Delfine ausweiten?
Wenn Delfine und Wale gerettet werden, dann nicht durch irgendwelche Regierungsorganisationen. Die schützen im Wesentlichen doch nur die Konzerninteressen und nicht das Leben von Mensch und Tier. Aber ich glaube fest, dass dieser Film die Macht hat, das Abschlachten der Delfine in Taiji zu beenden. Denn der gebildete Konsument ist der beste Freund der Delfine. Wenn Leute diesen Film sehen, denken sie zweimal darüber nach, ob sie ein Ticket für eine Delfin-Show kaufen. Es wird ja immer behauptet, diese Shows würden ein Bewusstsein für den Schutz der Delfine schaffen. Aber Japan hat über fünfzig Delfinarien und trotzdem kümmert sich dort niemand um das Schicksal der Delfine.
Wird der Film überhaupt in Japan gezeigt werden?
Er wird beim Filmfestival in Tokio vorgeführt. Ich rechne jedoch nicht damit, dass er in Japan regulär in die Kinos kommt. Aber der Produzent des Filmes Jim Clark, der die Firma Netscape gegründet hat, hat die Macht, den Film ins Fernsehen oder ins Internet zu bringen. Wenn die Japaner diesen Film sehen, wird das Treiben in der Bucht bald ein Ende nehmen. Kein Japaner, der diesen Film gesehen hat, wird noch einmal mit Quecksilber verseuchtes Delfinfleisch kaufen. Sie kaufen das Fleisch nur, weil sie nicht wissen, wie giftig es ist.
Im September hat die Fang-Saison in Taiji wieder begonnen. Was hat sich dort durch den Film geändert?
Ich war jetzt seit Beginn der Saison zweimal dort und die Fischerei hat angekündigt, keine Delfine mehr zu töten. Sie fangen sie weiter, um sie an Delfinarien zu verkaufen, aber sie bringen keine mehr um. Wir wissen nicht, ob das nur eine temporäre Entwicklung ist, aber die Dinge kommen durch den Film in Bewegung.
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22. April 2012,
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