Von ULRIKE SCHÖDEL, 21.10.09, 07:18h
Ihre Not war offenbar so groß, dass sie über die Frage nach der Bedeutung der Sterne nicht darüber nachdachte, wie sie die Telefonkosten noch zahlen könnte: Für eine Minute Fernberatung verlangte der Anbieter knapp 2 Euro. Nach 51 Astro-Anrufen innerhalb von sechs Tagen summierten sich die Kosten auf knapp 1500 Euro.
Kassandra K., die damals vom Unterhalt ihres Ex-Mannes lebte, konnte das nicht mehr zahlen. Der Hotline-Anbieter überzog sie mit einem Mahnverfahren. Daraufhin stotterte sie circa 300 Euro ab. Schließlich wurde sie wegen Betrugs angezeigt und von der Staatsanwaltschaft auch in 51 Fällen angeklagt. Im Vorfeld des Prozesses vor dem Bonner Amtsgericht hatte Kassandra K. dem Gericht geschrieben und erklärt, dass sie damals seelisch ganz übel dran gewesen sei.
Gestern aber erschien die Angeklagte nicht im Gericht. In Abwesenheit wurde die 50-Jährige mit einem Strafbefehl über 600 Euro verurteilt.
Der Richter bedauerte es, dass die Angeklagte nicht gekommen war, denn er wäre durchaus bereit gewesen, das Verfahren einzustellen. Seiner Meinung nach nutzten die teuren Beratungs-Hotlines, ob astrologisch oder auch psychologisch orientiert, die Lebenskrisen und die Hilflosigkeit der Ratsuchenden aus. Die Mitarbeiter in den Callcentern seien vor allem darin geschult, die Anrufer in der Leitung zu halten, um sie damit finanziell auszunehmen.
Ganz ohne den Rat der Sterne.
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