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OB will die Bürger befragen

Von DIETER BROCKSCHNIEDER und UTA KRISTINA MAUL, 22.10.09, 07:18h

Die Uhr hatte gerade Mitternacht angezeigt, da setzte Jürgen Nimptsch, der in diesen Minuten neuer Oberbürgermeister der Stadt Bonn geworden war, seine erste Twitter-Meldung ab...

BONN. Die Uhr hatte gerade Mitternacht angezeigt, da setzte Jürgen Nimptsch, der in diesen Minuten neuer Oberbürgermeister der Stadt Bonn geworden war, seine erste Twitter-Meldung ab. Was er da einem ausgewählten Kreis in 140 Zeichen mitteilte (vielleicht „Bin jetzt OB, tolles Gefühl“), verriet er nicht, als der SPD-Politiker gestern Vormittag im Alten Rathaus vor die Presse trat, aber das „Zwitschern“ ist Symbol für einen neuen Kommunikationsstil des Nachfolgers von Bärbel Dieckmann.

Das Medieninteresse an dem neuen OB war riesig. Kamerateams, Fotografen und Reporter drängten sich im Sternzimmer, als Nimptsch hereinkam. Er hatte Stadtdirektor Volker Kregel und Co-Dezernent Jürgen Braun mitgebracht, auch das neu. „Dass Herr Kregel dabei ist, ist kein singuläres Ereignis, wir wolle die Verwaltung gemeinsam führen und eine enge Kooperation pflegen“, sagte Nimptsch. Sein Vertreter, ein Mann mit CDU-Parteibuch, werde künftig auch bei den so genannten „Morgenlagen“ dabei sein, einem Gespräch im kleinen Kreis von Verwaltungsleuten, an dem Kregel bislang nicht teilnahm. Nimptsch: „Ein Vertreter ist nur dann ein Vertreter, wenn er alles weiß.“ Beide wollten die Stadt „gemeinsam in den Blick nehmen - aber ich halte den Kopf hin“, will sich der Chef nicht aus der Verantwortung stehlen. Zudem wird Kregel, der bisher im Stadthaus saß, nach der Sanierung des Alten Rathauses im nächsten Jahr ein Büro neben dem OB-Zimmer beziehen.

Einen neuen Kommunikationsstil pflegt Nimptsch auch mit dem Stadtrat, dem er sich mit einem „Rats-Newsletter“ vorstellte. Per Intranet schrieb er an die über 5000 Mitarbeiter der Stadtverwaltung, die er bat, ihm bis zum 6. November drei Dinge zu mailen, die in der Verwaltung erhalten und drei Dinge, die geändert werden sollten. Von den 3940 Mails waren bis zum Mittag 600 geöffnet, 104 Fragebögen bereits beantwortet worden. „Schatzsuche“ heißt dieses Projekt.

Zudem wird der neue OB das Instrument der Bürgerbefragung nutzen. Zur Landtagswahl im kommenden Mai sollen die Bürger der Stadt mitteilen, wo und wie sie im städtischen Haushalt sparen wollen. Das Internetangebot unter  www.bonn.de wird ausgebaut. Seit gestern zum Beispiel werden online Fragen zum WCCB beantwortet (siehe nebenstehenden Artikel).

Gegenüber dem nun 80-köpfigen Stadtrat sucht Nimptsch die Kooperation, nicht die Konfrontation, egal, welche Koalition gebildet wird. Er sieht sich als Moderator, will in den großen Fragen jeden mitnehmen. Für die kommenden drei Jahre appellierte der 55-Jährige (Wahlkampfmotto: „Zesammestonn“) an die ehrenamtlichen Kommunalpolitiker: „Lasst uns eine größtmögliche Geschlossenheit herbeiführen!“

Auch das eine neue Idee aus der Schatzkiste des OB: Das Bonner Loch soll, wie vor Jahrzehnten geplant, wieder von Künstlern belebt werden. „Klanggrund“ heißt die Schmuddelecke, in der sich die junge freie Szene vor Publikum produzieren soll.

Ändert sich privat etwas im Leben des ehemaligen Lehrers? Er wird, so oft es möglich ist, von seiner Wohnung am Beueler Rheinufer mit der Fähre rüber nach Bonn fahren. Gestern hatte er eine Obsttorte dabei, die er morgens um 6 Uhr gefertigt hatte, um sie seinen Mitarbeitern im Büro zu kredenzen. Abends will er mit seiner Frau weiter ein Ritual pflegen und gemeinsam ein Glas Wein trinken.



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