Von LUTZ BLUMBERG, 24.10.09, 07:18h
Seit dem 1. Oktober werden in Duisdorf so genannte Substituierte behandelt. Darunter vor allem Heroinabhängige, die unter Aufsicht die Ersatzdroge Methadon einnehmen. Die Nachbarn in Duisdorf hatten erst aus der Zeitung davon erfahren, binnen weniger Tage formierte sich Widerstand (die Rundschau berichtete). Wir haben den Informationsbedarf im Vorfeld wahrscheinlich falsch eingeschätzt, gab Caritasdirektor Schneider am Donnerstag zu. Caritas und Diakonie betreiben die Ambulanz, gemeinsam traten sie zur Schadensbegrenzung durch geballte Information an.
Willkür und Ohnmacht - diese Gefühle der Anwohner waren während der Bürgerinformation greifbar. Warum gab es so eine Versammlung nicht, bevor Sie die Ambulanz eröffnet haben?, war eine der Fragen. Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt, gab eine Mutter zu bedenken. Antwort der Träger: Wir waren unter extremem Zeitdruck, so Schneider, der an die Schließung einer Drogenpraxis im Frühjahr in der Innenstadt erinnerte, in der ein Mediziner mehr als 400 Heroinabhängige mit Methadon versorgt hatte. Stadt und Sozialträger seien unter Zugzwang gewesen. Das hätte damals schief gehen können, sagte Professor Dr. Markus Banger, Substitutions-Experte der Rheinischen Kliniken. Stellen Sie sich 400 Abhängige vor, die auf einmal auf Entzug gesetzt werden, bekräftigte auch Polizeidirektor Gerd Baltes. Seine Behörde sei in höchstem Maße alarmiert gewesen. Die Räume in Duisdorf seien erst Ende August gefunden worden, mit Einrichtung und Segen des Sozialausschusses hätte es einen sehr engen Zeitplan gegeben, berichtete Schneider.
Maria Leucker, die auch die Substitutionsambulanz in der Heerstraße leitet, erklärte das Prinzip ihrer Praxis. Sie werden nicht merken, dass in diesem Gebäude eine Ambulanz untergebracht ist. Spritzen gibt es bei uns nur zur Blutabnahme. Es gebe umfassende Kontrollen der Patienten mit regelmäßigen Drogentests.
Die Sensibilität, die Sie Ihren Patienten gegenüber zeigen, haben Sie uns gegenüber nicht gezeigt, sagte Anwohnerin Petra Brandenburg und erhielt viel Zustimmung. Schneider betonte noch einmal, wie wichtig den Trägern der Schulterschluss mit den Nachbarn sei: Wenn es irgendein Problem gibt, sprechen Sie uns an. Schneider betonte außerdem: Unsere Arbeit ist so gestrickt, dass wir sie gerne zeigen.
Überzeugt von dem Konzept zeigte sich Bezirksbeamter Roland Krebs. Ich bin der Sheriff von Duisdorf, und als ich das erste Mal von der Ambulanz hörte, war ich sehr alarmiert. Er habe sich daraufhin mit Ulf Klinge von der City-Wache zusammengesetzt: Der hat mir auf die Schulter geklopft und gesagt, dass es etwas Besseres nicht geben könnte.
Die Zwischenrufe Aber nicht in Duisdorf, die noch in den ersten Minuten die Versammlung immer wieder unterbrochen hatten, sie waren nach der großen Fragerunde nicht mehr zu hören. Wie können wir uns als Anwohner einbringen, damit es gelingt?, fragte Anke van Elk. Aufmerksam sein und mich bei der kleinsten Sache sofort informieren, antwortete Krebs, der bereits einen heißen Draht zu Ambulanzchefin Leucker eingerichtet hat.
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