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„Looking for Eric“

Traumpass aus der Lebenskrise

Von Hartmut Wilmes, 03.11.09, 20:16h

Der britische Regisseur Ken Loach hat mit dem Ex-Fußballstar Eric Cantona einen originellen Film gedreht. Eigentlich ist Loach auf Sozialdramen spezialisiert, doch die skurrile Komödie über den Fußballer als persönlichen Coach eines Verlierertyps ist herrlich gemacht.

«Looking for Eric»
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Steve Evets (l) und Eric Cantona in einer Szene aus dem Kinofilm «Looking for Eric».
«Looking for Eric»
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Steve Evets (l) und Eric Cantona in einer Szene aus dem Kinofilm «Looking for Eric».
Die Dauerkarte für Manchester United kann er sich längst nicht mehr leisten, doch dies ist Eric Bishops kleinste Sorge. Seit er vor 25 Jahren seine Frau Lily hochschwanger sitzen ließ, weil die Verantwortung wie eine Wand auf ihn einstürzte, läuft für den Postboten alles schief. Seine Stiefsöhne aus einer weiteren Katastrophen-Ehe driften auf die schiefe Bahn, die Wohnung ist ein Saustall, und er selbst leidet am emotionalen Ermüdungsbruch.

Das Idol als persönlicher Coach

Doch wofür hat man eigentlich Kumpel? Bei einem rührend improvisierten Psycho-Selbsthilfeabend unter Leitung des Kollegen Meatballs soll sich jeder seinen persönlichen Helden vorstellen. Der eine wählt Sinatra, der nächste Mandela, und für das Sorgenkind ist der Fall glasklar: Eric Cantona, das torgefährliche Enfant terrible, das von 1992 bis 1997 für Manchester United spielte und gelegentlich spektakulär ausrastete.

Und als der lebensmüde Postmann nach Hause kommt und ein bisschen Haschisch raucht, hängt Cantona nicht nur wie jeden Tag im Trikot an der Posterwand, sondern sitzt - bärtig und etwas fülliger - leibhaftig auf dem Sofa. Für einen Geist freilich gibt er recht handfeste Ratschläge, wird Bishops persönlicher Fitness-Coach und Mental-Trainer, bringt ihm bei, aus voller Seele „No!“ zu schreien und pumpt neue Kampfkraft in den ausgemergelten Körper.

Die wird Bishop in Ken Loachs Film „Looking for Eric“ auch brauchen, denn nun gilt es, die scheinbar endgültig verlorene Lily zurückzugewinnen und die Stiefsöhne aus dem Schwitzkasten des lokalen Gangsterbosses zu befreien. Klingt alles ein bisschen viel, ist es aber komischerweise nicht. Ganz unaufgeregt schafft es Loach, die übersinnliche Story im porentief echten Malocher-Milieu zu erden, in dem dann auch Bishops romantisches Comeback bei aller Märchenhaftigkeit irgendwie glaubhaft wirkt.

Ein Traumpass als Höhepunkt

Wie seine jugendberauschten Tänze mit Lily sind auch Cantonas Kicker-Glanztaten ganz locker in die Geschichte eingewoben. Der Fußballer verkörpert sich selbst mit ebenso viel Ernst wie Selbstironie, und Steve Evets gibt Bishop genau die richtige Mischung aus Verlebtheit und einem Rest an verzweifelter Zuversicht. Letztere kitzelt Cantona im therapeutischen Zwiegespräch immer wieder wohltuend lakonisch heraus.

Allerdings nennt er als Höhepunkt seiner Karriere keinen seiner entscheidenden Treffer, sondern einen (in der Tat atemberaubenden) Pass. Teamgeist statt Egozentrik, darum geht es auch im fantastischen Finale, in dem Bishops Freunde dem organisierten Verbrechen die „Operation Cantona“ entgegensetzen.

Mag ja sein, dass sich die Kanten der Realität dann und wann etwas zu wohlgefällig runden, zumal Ken Loach ja eigentlich auf schonungslose Sozialdramen abonniert ist. Doch wenn schon Wohlfühlfilme, dann bitte so spannend und skurril wie dieser!

Trailer unter  www.rundschau-online.de/video



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