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Sesamstrasse

Wer nicht guckt, bleibt dumm

Von Claus-Peter Tiemann, 06.11.09, 20:52h

Eine der berühmtesten Straßen der Welt wird 40: die „Sesamstraße“. Am 9. November 1969 wurde das Original „Sesame Street“ zum ersten Mal in den USA ausgestrahlt. Ein Rückblick auf das erfolgreichste Kinderprogramm aller Zeiten.

Ernie, Bert
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Beliebte Kinderhelden: Ernie (l.) und Bert. (Bild: dpa)
Ernie, Bert
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Beliebte Kinderhelden: Ernie (l.) und Bert. (Bild: dpa)
Seit 1973 sind Bibo, das Krümelmonster sowie Ernie und Bert als Stars der weltweit berühmtesten Kindersendung auch in Deutschland zu sehen. Allerdings hat die heutige „Sesamstraße“ nicht mehr viel mit der ursprünglichen Straße in einem New Yorker Slum zu tun, in der Puppen in umgekippten Mülltonnen saßen.

Die rumpelige Kulisse gehörte zum Konzept von Fernsehproduzentin und „Sesamstraßen“-Erfinderin Joan Ganz Cooney. Drei- bis Sechsjährige aus sozial schwachen Familien sollten auf den Schulstart vorbereitet werden - mit Geschichten, die in ihrer Umgebung spielten und in denen Puppen und Menschen aller Hautfarben vorkamen. Toleranz und Konfliktfähigkeit sollten sie dabei ebenso lernen wie Zahlen und das Alphabet. Als Medium war das Fernsehen ideal, denn viele Kleinkinder saßen schon damals Stunden davor. Im Stil von Werbespots wurden Lernhäppchen serviert: kurz und leicht zu merken.

Als Stars der Show schuf Muppet-Erfinder Jim Henson die Puppen Ernie, Bert und all die anderen, die zusammen mit echten Menschen trotz der tristen Kulissen für Spaß sorgten. „The Nitty Gritty Itty Bitty Kiddy Show“ sollte die Sendung eigentlich heißen, doch in letzter Minute kam die Idee, die Straße nach dem Zauberspruch „Sesam öffne Dich“ aus dem Aladin-Märchen zu nennen. Die Show wurde zum Exportschlager. In über 140 Ländern gibt es eine auf die örtlichen Ansprüche abgestimmte Version.

Seit 36 Jahren gibt es die Sesamstraße auch in Deutschland: Als am 8. Januar 1973 die erste deutsche Folge der „Sesamstraße“ in die Wohnzimmer flimmerte, reagierten viele Eltern entsetzt. Kinder aller Hautfarben und der gelbe Puppenvogel Bibo spielten wild in einer amerikanischen Straßenszene. Slums im deutschen Kinderfernsehen? Für einige Politiker hörte da der Spaß auf, der Bayerische Rundfunk befürchtete sogar eine „kulturelle Überfremdung“ und schaltete die Sendung in Bayern zunächst ab. Doch die Kinder waren begeistert von der Serie mit dem Satz „Wer nicht fragt, bleibt dumm“ im Titellied und den schrägen Einwohnern um das keks-hungrige Krümelmonster. Bald kannte die „Sesamstraße“ fast jedes Kind. Natürlich ist die Sendung seit langem auch im Süden Deutschlands zu sehen.

Und auch hierzulande gibt es eigene Figuren: Als erstes traten der gutmütige Bär Samson und das Vogelmädchen Tiffy an. Später gesellte sich der nörgelnde Außenseiter Herr von Bödefeld dazu - ewig missgelaunt und inzwischen wieder aus der Sesamstraße ausgezogen. Über die Jahre ist die frühe anarchische „Sesamstraße“ mit Oscar aus der Mülltonne, dem Krümelmonster und der tussigen Tiffy unter Aspekten der Political Correctness glattgezogen worden: Der dreckige Oscar wurde aussortiert, das Krümelmonster darf keine fetten Schoko-Kekse mehr fressen, und Tiffy wurde durch die alleinerziehende Monster-Mutter Mona ersetzt. Zudem enthält die deutsche Fassung der „Sesamstraße“ nur noch wenig US-Material: Samsons Studio ist in Hamburg-Wandsbek, selbst Ernie und Bert-Folgen dreht der zuständige Sender NDR inzwischen selbst.

Was immer noch gleich ist: Berühmte Schauspieler zeigen sich gerne bei Gastauftritten: Zunächst Stars wie Uwe Friedrichsen oder Liselotte Pulver, inzwischen sind Felicitas Woll oder Dirk Bach dabei. In den USA sind die Stars hochkarätiger: Hier schauen schon mal Hillary Clinton oder First Lady Michelle Obama in der Sesamstraße vorbei.

Die Sesamstraßeläuft immer sonntags um 7.15 Uhr in der ARD oder montags bis samstags jeweils um

8 Uhr im KiKa.



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