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Irak

Elektroschocks und Vergewaltigungen

Von Jochen Wittmann, 15.11.09, 19:56h

Folter, sexuelle Demütigung, Erniedrigung: Britische Soldaten sollen irakische Zivilisten in mehreren Fällen schwer misshandelt haben. Ein Anwalt der Opfer spricht von systematischer Folter - die britische Regierung ordnete eine Untersuchung an.

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In orangefarbene Overalls gekleidete Häftlinge knien im Camp X-Ray auf dem US-Marinestützpunkt Guantanamo Bay auf Kuba. Auch in britischen Kriegs-Gefängnissen sollen irakische Zivilisten misshandelt worden sein. (Bild: Archiv)
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In orangefarbene Overalls gekleidete Häftlinge knien im Camp X-Ray auf dem US-Marinestützpunkt Guantanamo Bay auf Kuba. Auch in britischen Kriegs-Gefängnissen sollen irakische Zivilisten misshandelt worden sein. (Bild: Archiv)
LONDON. Vergewaltigung, Elektroschocks, sexuelle Demütigung: Britische Soldaten im Irak sollen sich benommen haben wie ihre US-Kollegen im berüchtigten Gefängnis Abu Ghraib. 33 neue Fälle, in denen irakische Zivilisten von britischen Truppen misshandelt wurden, kamen jetzt ans Licht. Das britische Verteidigungsministerium hat am Wochenene eine Untersuchung in die Vorfälle angeordnet.

Der Anwalt Phil Shiner, der die misshandelten Iraker vertritt, hat die Liste zusammengestellt und dem Verteidigungsministerium übergeben. „Es kommt jetzt darauf an, dass nichts unter den Teppich gekehrt wird“, sagt er. „Die Ausrede, dass es sich nur um ein paar schwarze Schafe gehandelt hätte, zieht nicht mehr.“

Shiner sieht enge Parallelen zwischen den Methoden der sexuellen Demütigung, die US-Soldaten in Abu Ghraib angewandt haben, und der britischen Praxis. Er vermutet, dass die Misshandlung von Gefangenen weit verbreitet war und System hatte.

Einer der schlimmsten Fälle betrifft einen 16-jährigen Jungen, der im britischen Stützpunkt Shatt-al-Arab zum Auffüllen von Sandsäcken gezwungen wurde. Er sei zu einem Raum geschickt worden, angeblich um Sandsäcke zu holen. Dort habe er zwei Soldaten beim Oralsex gesehen, die ihn dann geschlagen und ausgezogen hätten. Mit einem Messer an der Kehle hätten sie ihn niedergehalten und dann nacheinander vergewaltigt.

Regierung spricht von Einzelfällen

Andere Berichte sprechen von ähnlichen Fällen sexueller Misshandlung: Gefangene wurden nackt und in kompromittierenden Positionen fotografiert. Selbst weibliche britische Soldaten sollen beteiligt gewesen sein.

Nassir Ghulaim, ein junger Iraker, wurde im April 2007 zusammen mit einem Freund verhaftet. Man habe ihn gezwungen, sich auszuziehen. „Ein Soldat begann, mit einem Schlagstock auf meine Knie einzuschlagen“, gab er zu Protokoll. „Dann folterte er mich mit einem Elektrostab an verschiedenen Teilen meines Körpers.“ Phil Shiner erklärte, er gehe davon aus, dass es noch viele weitere Fälle gebe, die bislang nicht gemeldet worden seien. Viele Opfer würden erst jetzt, nach dem endgültigen Abzug der Briten aus dem Südirak im Sommer, ihr Schweigen brechen, weil sie nun keine Angst mehr vor Vergeltung haben müssen. Seinen Mandanten gehe es nicht um finanzielle Kompensation, sie wollten stattdessen Gerechtigkeit, sagte Shiner. Er verlangte die Einsetzung einer unabhängigen Untersuchungskommission.

Genau dies allerdings will die Regierung vermeiden und besteht auf Ermittlungen im Einzelfall, die vom Verteidigungsministerium durchgeführt werden. „Es gibt keine Beweise, dass es im Irak einen weit verbreiteten und systematischen Missbrauch gegeben habe“, erklärte der zuständige Staatssekretär im Verteidigungsministerium Bill Rammell. „Über 120 000 britische Soldaten haben im Irak gedient, und die große Mehrheit hat sich tadellos aufgeführt.“ Die neuen Vorwürfe würden untersucht. Wenn sie sich als berechtigt erwiesen, käme es zu disziplinarischen Maßnahmen oder zu Verhandlungen vor einem Kriegsgericht.



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