Von Martin Sauerborn, 23.11.09, 18:50h, aktualisiert 24.11.09, 12:34h
„Es gibt so Bälle, da hat man eigentlich keine Chance und kriegt dann doch noch die Finger dran. Wie und Warum? Keine Ahnung“, beschrieb Adler hinterher die Szene mit seinem Kollegen aus dem Nationalteam. Wie das halt so ist mit den Reflexen eines Torwarts. Entweder er hat sie - oder eben nicht. Leverkusens Trainer Jupp Heynckes beeilte sich dann auch, seinem Keeper den roten Teppich auszurollen: „René war großartig und zwar über 90 Minuten.“
Ein Zeugnis, das er dem Rest seiner Mannschaft nicht so ohne weiteres ausstellen mochte. „Aufgrund der zweiten Halbzeit können wir mit dem Punkt zufrieden sein. Aber ich trauere unseren Chancen aus der ersten Hälfte schon nach. Da hätten wir zustoßen und den Sack zumachen müssen“, krittelte Heynckes herum.
Recht hatte er. Die blutjunge Bayer-Elf, die mit der Gewissheit in die Partie ging, dass Leverkusen seit 1989 nicht mehr in München gewinnen konnte, steckte nämlich nicht nur diese kapitale Negativserie weg, sondern auch das frühe 0:1 (8.). Das Tor ging auf das Konto von Gomez, nachdem Daniel Schwaab erfahren musste, dass man manche Erfahrung lieber nicht macht. So unnötig hatte der Bayer-Linksverteidiger den Ball gegen Bastian Schweinsteiger vertändelt.
„Wir haben nicht nach dem Rückstand nicht aufgegeben, sondern richtig gut nach vorne gespielt“, befand Stefan Kießling. Was vor allem an ihm lag, denn nach einem Traumpass von Arturo Vidal gab der Torjäger mit seinem neunten Saisontreffer zum 1:1 (14.) eine schnelle Antwort auf das Gomez-Tor und seinem Team viel Selbstvertrauen. Die folgende Leverkusener Dominanz gipfelte in einem formidablen Konter, an dessen Ende Toni Kroos kunstvoll mit der Hacke Kießling bediente, der wie beim 1:1 rechts unten einschoss. Blöd nur, dass Schiedsrichter Knut Kircher auf Abseits entschied (22.). „Ich habe es mir noch einmal angesehen. Das war klar kein Abseits“, ärgerte sich Kießling.
Es war in dieser Phase der Partie eine von vielen Chancen für Bayer gegen eine Bayern-Mannschaft, die von der Mehrzahl der 69 000 Fans in der Arena gnadenlos ausgepfiffen wurde. „Wir haben ein Bayern ohne Vertrauen gesehen“, urteilte der angezählte Trainer Louis van Gaal
„Hier werden halt immer Siege erwartet“, beurteilte der wieder stark spielende Kroos die Unmutsbekundungen des verwöhnten Münchner Publikums. Der 19-Jährige muss es wissen. Schließlich ist er bis 2012 Angestellter der Bayern und nur bis Saisonende an die Dhünn ausgeliehen. Ob er zum Rekordmeister zurückkehren muss, ist übrigens trotz erster Verhandlungen zwischen beiden Clubs nicht entschieden. „Stand jetzt ist, dass er zurück muss. Aber wir sprechen im Frühjahr nochmal“, sagte Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser.
Ob Louis van Gaal dann noch Bayern-Trainer ist, bleibt nach dem gestrigen Vortrag ungewisser denn je. Die Münchner dominierten zwar nach der Pause gegen vorsichtiger und fehlerhafter werdende Leverkusener. Es schien aber, als könnte sich die Startruppe nicht entscheiden, ob sie ihren niederländischen Trainer behalten oder loswerden will. So uneins und halb gar wirkte ihr Spiel. Noch-Manager Uli Hoeneß sah sich jedenfalls veranlasst, besser nichts zu sagen. Und van Gaal selbst reagierte dünnhäutig: „Meine Zukunft hier ist etwas, worüber ich nicht entscheide.“
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