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1. FC Köln

Demütigung im eigenen Stadion

Von Kerstin von Kalckreuth, 23.11.09, 08:42h, aktualisiert 25.11.09, 10:16h

Die Demütigung nach dem 0:4 gegen Hoffenheim sitzt tief. Auch die Fans waren von der unterirdischen Leistung ihrer Mannschaft verärgert, wendeten sich sogar während des Spiels ab. Trainer Soldo soll jedoch auch nach dem katastrophalen Heimspiel bleiben.

Lukas Podolski
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Nur 10 Minuten nach dem Spiel, verließ Lukas Podolski deprimiert den Platz. (Bild: dpa)
Lukas Podolski
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Nur 10 Minuten nach dem Spiel, verließ Lukas Podolski deprimiert den Platz. (Bild: dpa)
KÖLN. Als es endlich vorbei ist, bleibt Wolfgang Overath einfach auf der Tribüne sitzen. So, als wenn das Spiel zurückgespult werden und seine Mannschaft im nächsten Versuch alles besser machen könnte. Der Präsident des 1. FC Köln hatte sich noch am Montagabend sehr über seine Wiederwahl auf der Jahreshauptversammlung gefreut. Während der 0:4 (0:2)-Demütigung im Bundesliga-Heimspiel gegen die TSG 1899 Hoffenheim aber wird er brutal daran erinnert, dass es sich nicht immer gut anfühlt, FC-Chef zu sein. „Das war eine Vorführung von Hoffenheim. Eine Demonstration, wie man Fußball spielt, wie man kämpft, wie man sich bewegen muss - mit und ohne Ball“, sagt Overath später: „Natürlich hat Hoffenheim mehr Qualität als wir, gerade deswegen müssen wir das mit Einsatz, Kampf und Willen wieder ausgleichen.“ Das alles hat er bei seinen Profis vermisst.

Der Präsident wird in dieser Woche mit den Verantwortlichen reden - mal wieder. Schon vor zweieinhalb Wochen hatte er versucht, die Mannschaft wachzurütteln. Gebracht hat es ebenso wenig, wie die Tatsache, dass der FC im Rheinenergie-Stadion neuerdings in der früheren Gästekabine logiert. Der zaghafte Start der Kölschen ins Spiel wurde von den spielwütigen Hoffenheimern sofort bestraft: In der 5. Minute traf der unbehelligte Carlos Eduardo aus 25 Metern ins lange Eck. Sechs Minuten später gewann Chinedu Obasi das Kopfballduell mit Miso Brecko, weil dieser nicht einmal hochsprang, und erhöhte auf 2:0.

Für Brecko war der Arbeitstag nach einer halben Stunde beendet. Wobei von Arbeitsbereitschaft bei dem Slowenen kaum die Rede hatte sein können. Bei seiner Auswechslung begleiteten ihn die schrillen Pfiffe der Fans bis auf die Ersatzbank. Seinem Landsmann Novakovic blieb eine derartige Demütigung erspart. Der Kapitän kam nach der Pause gar nicht erst wieder aus der Kabine. Auch Maniche hätte zu diesem Zeitpunkt nicht mehr auf dem Platz stehen dürfen. Der Portugiese war Sejad Salihovic mit Absicht auf den Fuß gesprungen und hatte erstaunlicherweise nur Gelb gesehen. Genau wie kurz darauf Lukas Podolski, der nun für das Spiel in Bochum gesperrt ist.

Auch in der zweiten Halbzeit wurde es nicht besser. Anstatt eines Aufbäumens vonseiten des FC, setzte es direkt das nächste Gegentor. Demba Ba erhöhte auf 3:0. Dass dem 4:0, einem Elfmetertor durch Salihovic in der Schlussminute, ein Foulspiel von Pedro Geromel außerhalb des Strafraums voranging, bekamen viele FC-Fans schon gar nicht mehr mit. Sie hatten ihre Mannschaft zunächst angefeuert. Als diese sich von den Hoffenheimern immer mehr vorführen ließ, pfiffen sie und regten sich auf. Nach einer Stunde aber bekam der Protest eine neue Dimension. Die Fans entkoppelten ihre Vorstellung einfach von der ihrer Mannschaft. Sie drehten dem Spielfeld den Rücken zu und sangen Karnevalslieder. Auf der Südtribüne feierten sie imaginäre Tore. „Oh wie ist das schön“, hallte durch das mit 45 000 Zuschauern wieder nicht ausverkaufte Stadion. Nach dem Motto: Wenn uns die Spieler schon nichts bieten, dann machen wir es halt.

„Die Fans haben Recht“, meint der für Brecko eingewechselte Kevin Pezzoni: „Wir waren nicht engagiert genug. Jeder hat nur für sich gespielt. Wir haben keine Leidenschaft gezeigt, und wenn nur drei weniger laufen, als sie sollten, reicht das eben nicht mehr.“ Und dann ergänzt der 20-Jährige noch: „Die erfahrenen Spieler müssen jetzt vorangehen.“ Auch erste zaghafte „Soldo-Raus“-Rufe waren zu vernehmen. Aber, das versichern Manager Michael Meier und Overath unisono: „Zvonimir Soldo wird in Bochum auf der Bank sitzen.“ Dass sie sich inzwischen nach Alternativen umschauen, würden beide abstreiten. Aber es gilt als unwahrscheinlich, dass Soldo bei einem erneuten Debakel weitermachen darf. Bis Freitag wird nun analysiert, woran es lag. „Die Profis sollten sich das Spiel nochmal auf Video anschauen“, sagt Overath. Das dürfte Mahnung genug sein.



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