Von Martin Sauerborn, 23.11.09, 22:07h
Eine Zwischenbilanz, die nicht nur blendend ausschaut, sondern auch absolut bemerkenswert ist. Bayer spielt nämlich seit geraumer Zeit ohne seine Stammkräfte Rolfes, Helmes, Kadlec und Renato Augusto. Ferner spülte der Spielplan die Leverkusener in dieser Saison schon nach Mainz, Wolfsburg, Hamburg und Schalke. Und nun hat Heynckes Rasselbande also auch noch die ultimative Reifeprüfung bestanden. Bei den großen Bayern in München, wo man seit 1989 nicht mehr gewonnen hat und es in der vergangenen 15 Jahren lediglich zu einem einzigen Remis langte, verteidigte die Bayer-Elf mit einem Durchschnittsalter von exakt 24 Jahren mit einem verdienten 1:1 ihre Spitzenposition in der Bundesliga.
Nun verhält sich die Nachrichtenlage im deutschen Fußball zumeist so, dass zunächst einmal die Bayern im Fokus stehen. Platz sieben, drei Unentschieden in Folge, ein extrem polarisierender Trainer Louis van Gaal und das drohende Aus in der Champions League: Die Lage in München ist kritisch und das dürftige Remis gegen die Auszubildenden von der Dhünn konnte sie nicht entspannen. „Wir haben alle Druck und müssen versuchen, gemeinsam mit dem Team und dem Trainer die Kurve zu kriegen“, ergab sich Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge bis zum Champions-League-Spiel gegen Haifa in Durchhalteparolen.
Die Leverkusener standen derweil wie gewohnt in der zweiten Reihe. Was seine Ursache darin fand, dass sie das Fell der Bayern nicht gänzlich erlegten. Sicher, sie steckten den frühen Rückstand von Mario Gomez (8.) locker weg. „Ich habe ihnen gesagt, dass sie ruhig weiter spielen sollen. Gegen Dortmund haben wir nach dem Rückstand noch den Kopf verloren. Das war diesmal anders. Die Jungs haben sehr schnell gelernt“, lobte Abwehrrecke Sami Hyypiä, mit 36 Lenzen unbestrittener Vater der Bayer-Kompanie.
Was der Mannschaft von Jupp Heynckes letztlich aber fehlte, war die Kühlheit, die Gunst der Stunde zu nutzen. Es war schon lange nicht mehr so leicht, bei den Bayern zu gewinnen. So dermaßen verunsichert traten die Gastgeber auf. „Irgendwann gewinnen wir auch diese Big Points“, rügte Stefan Kießling den nach der Pause fehlenden Mut seiner Mannschaft. Vielleicht war es die Angst vor der eigenen Courage, nachdem Bayer die Münchner nach Kießlings 1:1 (14.) 25 Minuten lang schwindelig gespielt hatte? Oder die Tatsache, dass Heynckes Ausbildung noch keineswegs abgeschlossen ist.
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