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Schon die Römer hatten „Park-and-ride“

Von MANFRED HILGERS, 26.11.09, 07:03h

„Hier in Keldenich auf der Höhe im Bereich Königsfeld am künftigen Mansionis können die Pferde gewechselt werden, zumindest war dies bei den Römern so“, warb Professor...

KALL. „Hier in Keldenich auf der Höhe im Bereich Königsfeld am künftigen Mansionis können die Pferde gewechselt werden, zumindest war dies bei den Römern so“, warb Professor Heinz Günter Horn vom Landschaftsverband Rheinland in Kall für die geplante Agrippastraße. Laut Professor Horn sind Mansionis römische Rastplätze, heutigen Park-and-ride-Plätzen vergleichbar.

Ein solcher Platz dürfte oberhalb von Keldenich an der ehemaligen Römertrasse entstehen. Dort soll für Besucher mit Auto oder Rad - wie zur Römerzeit mit dem Pferd - die Möglichkeit geschaffen werden, auf die Römerstraße zu gelangen und in Richtung Trier oder Köln zu wandern. In Höhe Dottel ist ein Aussichtsturm geplant, von dem aus man bis tief in die Zülpicher Börde hineinschauen kann, dem Verlauf der Römerstraße folgend.

Ob der Turm bei Dottel Wirklichtkeit wird, hängt von der Bereitwilligkeit der Gemeinde Kall ab. Auf jeden Fall wird der Verlauf der Agrippastraße kenntlich gemacht, und zwar in der Form, dass man auf oder direkt neben der Straße wandern kann.

Der Ausschuss für Bau, Planung, Tourismus und Wirtschaftsförderung tat sich in der Sitzung am Dienstag jedoch recht schwer mit der Zustimmung. Immerhin soll die Gemeinde Kall jetzt, in der noch recht frühen Planungsphase, einen Eigenanteil von 15 000 Euro aufbringen. Das sind 20 Prozent der Gesamtkosten für die Agrippastraße auf dem Gemeindegebiet Kall. Insgesamt stehen drei Millionen Euro vom Land für das Gesamtprojekt von Köln bis Dahlem abrufbereit.

„Nicht, dass uns das Vorhaben zum Bumerang wird“, befürchtet Ekkehard Fiebrich von den Grünen Folgekosten. Schließlich koste der Eifelsteig die Gemeinde bereits so viel wie ein weiterer Mitarbeiter.

„So ganz richtig ist das nicht“, argumentierte der Ausschussvorsitzende Franz Albert Groß (FDP), schließlich habe die Gemeinde bisher auch sehr wenig in Sachen Fremdenverkehr getan.

Tatsache ist, dass durch den Eifelsteig mehr Fremde in Kall zu finden sind, die auch die Geschäfte und Restaurants aufsuchen. „Wenn wir uns der Agrippastraße verschließen, laufen wir Gefahr, ausgegrenzt zu werden“, sprach sich Bürgermeister Herbert Radermacher für das Projekt aus.

An dem Vorhaben Agrippastraße beteiligen sich alle Kommunen auf NRW-Seite von Köln bis zur Landesgrenze in der Gemeinde Dahlem. So, wie es derzeit aussieht, steigt auch Rheinland-Pfalz mit ein. Später könne man dann, so die weiteren Ausführungen von Professor Horn, über Trier hinaus bis Lyon radeln könne.

Die Straße wird lateinisch beschriftet. Hiermit solle auf die historische Bedeutung der einstigen römischen Fernstraße hingewiesen werden. Damit es keinen Schilderwald gibt, sollen notwendige Hinweise an den bereits bestehenden Schildern angebracht werden.

Ein optisches Highlight dürften die Abstandshinweise werden. Auf ihnen kann der Besucher künftig ablesen, wie weit es noch bis zur nächsten Ortschaft ist. Dafür werden nicht die bekannten römischen Meilensteine verwendet, sondern Straßenbäume gepflanzt. „Aber nicht in Form einer Allee, denn eine solche gab es zur Römerzeit nicht. In Abständen werden Schwarzkiefern gepflanzt und mit römischen Zahlen versehen. Die Maßeinheit erfolgt nicht in Kilometern, sondern in römischen Meilen, die exakt 1,48 Kilometer betrugen“, so Horn.

Jede römische Meile wird durch eine quer über die Fahrbahn verlaufende Linie - im Boden versenkt - markiert. Laut Professor Horn gilt es nun, das Interesse für die Römerstraße zu wecken, was er unter dem von einer Agentur ausgearbeiteten Slogan tut: „Kulturraum Römerstraße oder die Sehnsucht nach dem Land der Pinien“.

Parallel zur Agrippastraße von Köln nach Tier wird die Limes-Straße „Via Belgica Köln Boulgne-sur Mer“ vorangetrieben. Die Ziele sind die Gleichen. Mit den Straßen soll der Fremdenverkehr in der Region angekurbelt werden. „Nicht in Köln oder den angrenzenden Großstädten soll dies geschehen. Eine behutsame und nachhaltige Entwicklung der Trassen im Einklang mit der Kulturlandschaft steht im Vordergrund“, so der Professor.

Mit der Entwicklung soll gleichzeitig die Römerstraße als relevantes Kulturerbe gesichert werden. Dem stimmte der Kaller Fachausschuss am Dienstagabend schließlich auch zu.



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