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Beethovenhalle: Ikone oder alte Schachtel?

Von BERNWARD ALTHOFF, 30.11.09, 07:18h

Im Sommer haben Studierende des Faches Kunstgeschichte im Oberseminar von Professorin Hiltrud Kier an der Bonner Universität die „Initiative Beethovenhalle“ ins Leben...

BONN. Im Sommer haben Studierende des Faches Kunstgeschichte im Oberseminar von Professorin Hiltrud Kier an der Bonner Universität die „Initiative Beethovenhalle“ ins Leben gerufen. Am Samstag hatte die Initiative zu einem sechsstündigen öffentlichen Kolloquium, gefolgt von einer Podiumsdiskussion, in den Hörsaal 9 in der Uni eingeladen. Thema war der „kunsthistorische und städtebauliche Wert der Beethovenhalle“. Alles in allem war das Kolloquium eine Heerschau der Hallen-Bewahrer und Gegner des Festspielhauses an dieser Stelle, oft befeuert vom Beifall der meisten unter den knapp 200 Zuhörern.

Landeskonservator Professor Udo Mainzer bedauert, dass die Akzeptanz der öffentlichen Hand zum Erhalt und zur Pflege öffentlicher Gebäude schwinde. In konkretem Fall der Beethovenhalle hält Mainzer den „Abriss des neben dem alten Postministerium einzigen architektonischen Dokumentes der Bonner Republik für nicht hinnehmbar“. Sein Kollege Dr. Jörg Rüter von der Unteren Denkmalbehörde in Berlin-Steglitz bezeichnet die Beethovenhalle als „typische Lösung einer Mehrzweckhalle der Nachkriegszeit“, die im Übrigen als „Ikone“ unbedingt erhaltenswert bleibe. Rüter warnte überdies alle Befürworter eines Festspielhauses vor der „Abnutzung des Ungewöhnlichen“. „Der Bilbao-Effekt (gemeint ist der spektakuläre Frank-Gehry-Entwurf des dortigen Getty-Museums) lässt sich nicht 1:1 auf Bonn übertragen.“

Auch die anderen Referenten waren voll des Lobes über die Halle: Raoul Möhrchen attestiert der Beethovenhalle eine „durchaus gute Akustik“ , die Architekten Rudolf Pörtner, Stefan Rethfeld und Barbara Hoidn erklärten, wie einfach solche Baudenkmäler der Nachkriegszeit technisch wieder auf höchstes Niveau zu bringen seien.

In der anschließenden Podiumsdiskussion wurden die vielen Pros für den Erhalt der 50 Jahre alten Multifunktionshalle von Professor Udo Mainzer und dem ehemaligen Chef des Bonner Orchesters, Volker Wangenheim, ausführlich wiederholt. Bei Volker Wangenheim, der das heutige Beethoven Orchester (bis 2003 Orchester der Beethovenhalle) schon vor dem Bau der Halle leitete, schwangen viele Emotionen mit, schließlich hatte er noch die Zeit der baulichen Provisorien miterlebt. Auch Alt-Oberbürgermeister Hans Daniels erinnerte an viele für ihn bewegende Stunden in der Beethovenhalle. Er schlug vor, nochmals intensiv einen alternativen Standort für das Festspielhaus zu prüfen: „Wenn das Festspielhaus eine nationale Aufgabe wie Bayreuth oder Salzburg ist, dann sollten auch Grundstücke des Bundes oder Landes Nordrhein-Westfalen in Bonn in Betracht gezogen werden und nicht nur das städtische Grundstück, auf dem die Beethovenhalle steht.“

Klipp und klar brachte Heinrich Küpper, Projektleiter des Festspielhauses bei der Deutschen Post AG, die Sache auf den Punkt. Auf den zuvor geäußerten Vorschlag von Professorin Hiltrud Kier, Bonn möge doch die Beethovenhalle erhalten, auf das Festspielhaus verzichten und verstärkt mit Kölner Konzerthallen kooperieren, meinte er: „Köln hat keinen Beethoven und keine Dax-Unternehmen, Bonn hat sie!“ Diesem schlagenden Argument für ein Festspielhaus mochten sich auch die eingefleischtesten Befürworter der Beethovenhalle nicht verschließen.



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