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Tagesthema vom 16. Juli

Die Formel Guttenberg

Erstellt 16.07.09, 13:13h, aktualisiert 16.07.09, 21:24h

Rund 150 Tage. Mehr brauchte Karl-Theodor zu Guttenberg nicht. Seit Mitte Februar ist der CSU-Politiker Bundeswirtschaftsminister. In dieser Zeit ist er vom „Mister Unbekannt“ zum neuen Helden der Politik aufgestiegen. Wie hat er das gemacht? Ein Erklärungsversuch von Norbert Wallet.

Karl-Theodor zu Guttenberg
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Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. (Bild: dpa)
Karl-Theodor zu Guttenberg
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Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. (Bild: dpa)
Erfolgsfaktor Politik

Der klassische Erklärungsversuch - ein Politiker ist beliebt, weil er gut ist. Was aber ist gut in Zeiten der Krise? Guttenberg hat es geschafft, sich schnell erkennbar zu machen - mit einem kalkuliert begrenzten Aufstand gegen die Kanzlerin. Den mühsam errungenen Opel-Kompromiss wollte Guttenberg nicht mittragen, weil er findet, der Staat solle sich nicht einmischen, wenn marode Unternehmen am Markt scheitern. Er hat in der entscheidenden Verhandlungsnacht der Kanzlerin den Rücktritt angeboten. Das war halbernst gemeint und hat ihm Respekt bei den Bürgern eingebracht.

"In allen Umfragen gibt es eine Mehrheit gegen Bürgschaften und Kredite für angeschlagene Unternehmen", sagt Andrea Wolf, Vize-Chefin bei der Forschungsgruppe Wahlen.

Erfolgsfaktor Zeit

Guttenberg kam zu einem Zeitpunkt ins Amt, da die ohnehin schwer bewegliche große Koalition ziemlich erschöpft wirkte. Die Bekämpfung der Weltfinanzkrise schaffte ein neues Thema - ein idealer Start für einen neuen Wirtschaftsminister. Hinzukommt: Seit langem hatte man sich daran gewöhnt, dass Wirtschaftsminister ein Schattendasein in Regierungen führten.

Nimmt man den sehr rührigen Wolfgang Clement aus, weil er gleichzeitig Arbeitsminister war, ist die Reihe der Guttenberg-Vorgänger nicht unbedingt überaus beeindruckend: Michael Glos (CSU), Werner Müller (parteilos), Günter Rexrodt, Jürgen Möllemann, Helmut Haussmann, Martin Bangemann (alle FDP)- nun ja. Nimmt man hinzu, dass in der Union seit langem eine kompetente wirtschaftspolitische Stimme vermisst wurde, erscheint Guttenbergs Blitzstart fast zwangsläufig.

Erfolgsfaktor Herkunft

Zu Guttenberg ist sozusagen ein Aufsteiger "von oben". Die wohlhabende Adelsfamilie kann ihre Wurzeln bis weit ins Mittelalter zurückverfolgen. Der Vater ist der bekannte Dirigent Enoch zu Guttenberg, der namensgleiche Großvater und CSU-Politiker Karl-Theodor zu Guttenberg fädelte einst mit dem Sozialdemokraten Herbert Wehner die erste große Koalition ein. Der Widerstand gegen Hitler hat zudem die Familie geprägt. Der finanzielle, aber auch der politische Hintergrund mögen eine gewisse Souveränität in der Vertretung eigener Standpunkte erklären. Der Adelshintergrund fügt zudem einen gewissen Glamour-Faktor hinzu: Guttenbergs Frau ist eine direkte Bismarck-Nachfahrin.

Es gibt da einen interessanten Vergleich, auf den der Forsa-Chef Manfred Güllner hinweist. Ein politischer Aufsteiger war auch Gerhard Schröder, und auch der hatte einen Glamour-Faktor. Schröder aber war ein Aufsteiger von unten. Als Einsteiger von oben werde zu Guttenberg dagegen auch im sozialdemokratischen Milieu durchaus akzeptiert. Güllner: "Das hat Tradition. Auch die großen Arbeiterführer kamen nicht aus dem Proletariat."

Erfolgsfaktor Frisur

Die fällt auf und ist ein Markenzeichen - wichtig für einen Politiker. Man denke an die Zigarre Ludwig Erhards. Und warum fällt sie auf? Weil Guttenberg Haar-Gel benutzt. Früher galt der geliehene Glanz eher als Ausweis von Halbwelt. Das hat sich geändert, versichert Klaus-Dieter Kaiser. Der muss es wissen. Er ist Ex-Weltmeister der Friseure und Kreativdirektor des Zentralverbandes des deutschen Friseurhandwerks. Er nennt Guttenbergs Kopfschmuck "nicht wild, sondern dezent und modisch". Und das Gel? "Guttenberg", sagt Kaiser, "geht eben mit der Zeit - im Kopf und am Kopf." Das Gel sei Ausdruck einer neuen Generation junger selbstbewusster Männer. Es gebe sicher unauffälligere Produkte, als die von Guttenberg verwendeten, verrät Kaiser. "Aber ich würde ihm raten, lass es so!" Guttenberg selbst hat übrigens verraten, dass er in Sachen Gel pragmatisch ist: "Ich benutze das Gel, das hält. Es kostet zwischen 2 und 3,50 Euro."

Erfolgsfaktor Mode

Thomas Rusche, Geschäftsführer des Premium-Herrenausstatters Sør, hat Guttenbergs Modegewohnheiten genau beobachtet. Der Minister folge in seiner Kleidung einem "internationalen Code jenseits saisonal wechselnder Moden". Guttenbergs Auswahl eigne sich nicht für trendige In-and-out-Listen. Er folge einem in Adelsfamilien in Generationen gelernten und vererbten Wissen darüber, was geht und was nicht. Rusche: "Er kennt die klassischen Regeln: Der beige Baumwollanzug passt zum hellblauen Hemd. Die graue Flanellhose passt zu jeder Sakko-Farbe." Und er halte sich in Sachen Schmuck zurück. Durch diese Regeln habe er die Unabhängigkeit, sich flexibel zu kleiden, ohne Angst haben zu müssen, daneben zu greifen. Rusche: "Von Tokio bis New York ist diese Kleidung passend, er wird dort immer auf Gesprächspartner treffen, die diesen Code auch kennen."



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